ArchivDeutsches Ärzteblatt44/1996Perkutane Lokalanästhesie: Ein Pflaster gegen Injektionsschmerzen

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Perkutane Lokalanästhesie: Ein Pflaster gegen Injektionsschmerzen

Rabe, Gerlinde

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LNSLNS Die Ängste von Kindern vor Schmerzen werden vielfach unterschätzt. Haben sich einmal negative Erfahrungen mit Spritzen festgesetzt, ertragen viele Kinder lieber krankheitsbedingte Schmerzen, als sich eine schmerzlindernde oder -stillende Injektion verabreichen zu lassen. Oft können wichtige Eingriffe oder auch nur "harmlose" Impfungen gar nicht durchgeführt werden, weil sich der kleine Patient in der Praxis oder im Krankenhaus mit Händen und Füßen wehrt. Laut Dr. Robert Sümpelmann (Hannover) haben Kinder mehr Angst vor Spritzen und Infusionen als vor der Operation selbst. Dies ergab die Interpretation von Bildern, die Kinder nach einer Operation gemalt haben.


Transkutane Wirksamkeit
Die Prävention injektionsbedingter Schmerzen ist durch das Auftragen einer lokalanästhetikahaltigen Creme möglich. Das perkutane Lokalanästhetikum Emla® der Astra GmbH in fertiger Kombination wird nun auch als Pflaster angeboten. Die anästhesierende Creme muß nicht mehr mit einem Okklusivverband abgedeckt werden, und die Verbindung Pflaster und Creme vereinfacht ganz entscheidend die Anwendung. Von Bedeutung ist sicher auch der feste Glaube von Kindern an die "schützende" und "heilende" Wirkung von Pflastern. Durch die eutektische Mischung der basischen Grundsubstanzen Lidocain und Prilocain liegt mit Emla® erstmals eine Zubereitung vor, die eine gute transkutane Wirksamkeit gewährleistet und die Haut – nach einer Einwirkzeit von einer Stunde – bis zu fünf Millimeter tief anästhesiert, informierte Prof. Jürgen Biscoping (Karls-ruhe). Im präoperativen Ablauf sei es durch das Verfahren dieser perkutanen Anästhesie möglich geworden, auch bei Kindern einen venösen Zugang zur Narkoseeinleitung zu gewährleisten. Die Schmerzausschaltung am Einstichort ist so vollständig, daß Kinder, wenn sie abgelenkt werden, den Vorgang gar nicht registrieren oder aber beim Zuschauen diesen schmerzfrei erleben, so Biscoping.
Somit ist das Pflaster besonders interessant für die Pädiatrie und Kinderanästhesie, aber auch für die pädiatrische Dermatologie, wie Prof. Rudolf Happle (Marburg) anhand von Beispielen aus der klinischen Praxis demonstrierte. Für zahlreiche kleine operative Eingriffe, wie beispielsweise die Entfernung der hochinfektiösen Mollusca contagiosa, die oft mehrmals wiederholt werden muß, stellt das Lokalanästhetika-Pflaster eine ganz wesentliche Hilfe dar. Um Wartezeiten in der Arztpraxis oder Ambulanz zu verhindern, kann das Pflaster bereits zu Hause eine Stunde vor dem geplanten Eingriff aufgetragen werden.
Schmerzausschaltung bei Blutabnahmen, Injektionen und kleinen operativen Eingriffen ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Kindern, nicht zuletzt, um langfristige psychische Traumata zu vermeiden. Sie stellt jedoch im Gesamtbild nur einen von verschiedenen Mosaiksteinen dar, um die Ängste von Kindern zu verringern. Dr. med. Gerlinde Rabe

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