ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2003Diabetes mellitus Typ 2: Risikobewertung per Computersimulation

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Diabetes mellitus Typ 2: Risikobewertung per Computersimulation

Dtsch Arztebl 2003; 100(23): A-1627

Stoschek, Jürgen

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LNSLNS Das Bild des Typ-2-Diabetes hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert. Zum einen werden immer häufiger auch jüngere Patienten diagnostiziert. So ist nach einer Untersuchung aus den Niederlanden inzwischen jeder fünfte Patient jünger als 60 Jahre. Zum anderen gilt der Diabetes Typ 2 heute als sehr komplexe chronische Krankheit, die immer mehrere Organe betrifft und die durch eine hohe kardiovaskuläre Anfälligkeit gekennzeichnet ist.
Mit diesen Aussagen hat der niederländische Allgemeinarzt Dr. Paul Vincent Maria Cromme die Notwendigkeit sowohl einer strukturierten als auch einer patientenorientierten Versorgung von Diabetikern unterstrichen. Durch die Vermeidung von Folgekomplikationen ließen sich erhebliche Kosten im Gesundheitswesen sparen. Nach seiner Ansicht ist der Typ-2-Diabetes viel zu ernst, „um ihn so zu behandeln, wie wir es tun“.
Obgleich etwa die Hälfte der Kosten der Behandlung von Diabetikern durch stationäre Versorgung entstehen, sei den Krankenhäusern in den Disease-Management-Programmen (DMP) keine Aufgabe zugewiesen, betonte Dr. Daniel Grandt, Chefarzt am Klinikum Saarbrücken. Tatsächlich seien Kranken­haus­auf­enthalte aber umso häufiger notwendig, je schlechter ein Diabetiker eingestellt ist: Von 1 000 Diabetikern mit einem HbA1c-Wert von < 8 Prozent kämen jährlich 300 ins Krankenhaus, berichtete Grandt. Von den Patienten mit einem HbA1c-Wert von
> 10 Prozent sind es dagegen 740. In der Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Hausärzten, Internisten und Diabetologen gehe es deshalb vor allem darum, Hochrisikopatienten zu identifizieren.
Dazu wird seit kurzem in Saarbrücken und erstmals in Europa in einem Krankenhaus das Mellibase®-Programm von Hestia Healthcare, einem Tochterunternehmen von Roche Diagnostics GmbH, eingesetzt. Mellibase ist ein Programm zur Risikobewertung, das auf der Basis eines computersimulierten Krankheitsmodells die Wahrscheinlichkeiten für die wesentlichsten Folgekomplikationen eines individuellen Patienten mit Diabetes innerhalb der nächsten zehn Jahre ermittelt.
Optimierungspotenzial
So sei es möglich, für jeden einzelnen Patienten die vordringlich zu behandelnden Risikofaktoren und damit sein „Optimierungspotenzial“ zu erkennen, sagte Grandt. Sowohl der Patient als auch der betreuende Hausarzt werden über das Ergebnis der Risikoanalyse informiert.Wie sich sowohl die Stoffwechsellage als auch die Lebensqualität von Patienten mit Diabetes mithilfe eines strukturierten Behandlungsprogramms verbessern lässt, das auch die individuelle Situation eines Patienten berücksichtigt, hat ein Pilotprojekt in Hamburg gezeigt, an dem ein Dutzend Hausarztpraxen teilgenommen haben.
Von Arzt und Patient gemeinsam erarbeitet
Als Entscheidungshilfe sei in dem Projekt das in den USA entwickelte „Staged Diabetes Management“ eingesetzt worden, berichtete Dr. Christiane Arras-Friederich (Roche Diagnostics). Es wird bei den Therapiezielen, die vom Arzt und Patienten gemeinsam erarbeitet werden, zwischen Jüngeren und Älteren differenziert. Diese Unterscheidung habe zu einer sichereren Therapie älterer Typ-2-Diabetiker geführt, so die Auswertung des Modellprojekts. Die besten Ergebnisse hinsichtlich der Stoffwechsellage, gemessen am HbA1c, seien bei jüngeren Patienten erreicht worden, berichtete Arras-Friederich. Auch die Therapiezufriedenheit sei im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, in der die Patienten „wie üblich“ betreut wurden, besser gewesen.
Jürgen Stoschek

„Patientenorientierte Diabetesversorgung – Elmauer Gespräche“ 2003 der Roche Diagnostics GmbH
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