ArchivDeutsches Ärzteblatt44/1996Bau einer Kathedrale: Spanischer Ex-Mönch baut wie im Mittelalter

VARIA: Feuilleton

Bau einer Kathedrale: Spanischer Ex-Mönch baut wie im Mittelalter

afp

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Allein, ohne Geld und nur mit der Kraft seines Glaubens baut der ehemalige Trappistenmönch Justo Gallego Martinez seit 33 Jahren an seinem Lebenswerk. Der 70jährige hat sich vorgenommen, eine Kathedrale in einem schäbigen Vorort von Madrid zu errichten. Er begann den Bau, als er 1963 aus gesundheitlichen Gründen sein Kloster verlassen mußte. "Ich wollte Gott mit anderen Mittel weiter dienen", sagt er. Damals hatte er keinerlei Architektur- oder Maurerkenntnisse. Jetzt ist er Spezialist in allem.
Für den Bau benutzte Justo Hilfsmittel vom Schrottplatz: Alte Fahrräder wurden zu Flaschenzügen, für die Verschalung der Säulen nahm Justo Holzkisten von einer benachbarten Fabrik. "Der einzige Unterschied zum Mittelalter ist, daß wir einen Traktor haben und Stromaggregate", sagt einer der gelegentlichen Helfer. Die Bauarbeiten kosten bisher umgerechnet rund 240 000 DM. Das Geld kommt vor allem aus Spenden. Seine Arbeitskraft berechnet der ehemalige Mönch nicht. "Ich arbeite jeden Tag, außer natürlich an Sonn- und Feiertagen." Ferien kenne er nicht. Die seien eine Erfindung der Menschen, nicht der Bibel.
Einen idyllischen Standort für sein Vorhaben hat sich Justo nicht gerade ausgesucht. Der Bau erhebt sich inmitten von Sozialwohnungen von Mejorada del Campo, einer Trabantenstadt 20 Kilometer außerhalb der spanischen Hauptstadt. Aber das war dem Ex-Mönch egal. Immerhin hatte er hier von seinem Vater ein Stück Land geerbt, auf dem nun die Kathedrale entsteht. Einen Termin für die Fertigstellung gibt Justo nicht an, er rechnet aber noch mit vielen Jahren Arbeit. Ob er die Vollendung seines Lebenswerkes noch erleben werde, weiß er nicht. Da die Hauptarbeit getan sei, könne auch ein anderer sein Werk vollenden.
Der Mann im grauen Kittel mit der schwarzen Baskenmütze kann auf seine bisherige Arbeit stolz sein: 50 Meter lang, 20 Meter breit und durchschnittlich 35 Meter hoch ist die mit zwölf Türmen versehene Kultstätte. Nur das Dach und die Kuppel über dem Chor fehlen noch. Der Wert der Kathedrale wird inzwischen auf 1,2 Millionen DM geschätzt. Der unermüdliche Bauherr hat auch schon alle Vorkehrungen getroffen, um sein Werk dem Bischof von Madrid zu schenken. Der wird dann entscheiden, ob aus dem Bau eine Basilika wird – oder einfach nur die dritte Kirche in Mejorada del Campo. afp
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote