ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2003zu Dollar und Euro: Die Angstmacher

VARIA: Schlusspunkt

zu Dollar und Euro: Die Angstmacher

Dtsch Arztebl 2003; 100(23): [64]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Geschrei ohnegleichen ist derzeit an den Finanzmärkten zu vernehmen. „Haltet den Dollar“, rufen die Marktteilnehmer der US-Valuta hinterher, teils schon in heller Panik. Was ist eigentlich Schlimmes geschehen?
In der Tat hat sich der Kurs des Greenbacks in den letzten Wochen drastisch verteuert und schickt sich sogar an, die Marke von 1,20 Euro anzukratzen. Das sei ja ganz furchtbar für die deutschen Exporteure, die zusehends wettbewerbsunfähiger würden, jammern viele Branchenbeobachter.
Gemach, gemach. Abgesehen von der – vermutlich müßigen – Frage, ob wir nun eine Eurostärke oder eine Dollarschwäche haben, der Euro ist im Moment gerade mal ein paar armselige Cent über der Marke am Tage seiner Geburt. Genau betrachtet liegt er also jetzt genau da, wie er zu seiner Amtseinführung bewertet wurde, und wenn es damals angemessen war, kann es heute so falsch nicht sein.
Im Übrigen gehören diejenigen, die sich heute so furchtbar über einen starken Euro aufregen, in den nämlichen Sack gesteckt wie die Herrschaften vor einem Jahr, als der Euro und der Dollar eins zu eins standen, und sie den Untergang des Abendlandes heraufdämmern sahen.
Alles Unsinn, Währungen floaten nun mal, und solange die Bandbreiten nicht exzessiv verlassen werden, gibt es auch keinen Grund zur Panik. Festzuhalten bleibt lediglich, dass die Prognosequalität so mancher selbst renommierter Währungsexperten sehr gelitten hat.
Wie jede Medaille ihre zwei Seiten hat, gilt erst recht für einen starken Euro, dass er durchaus auch seine segensreichen Wirkungen haben kann, denn seine inflationsdämpfenden Einflüsse sind schließlich nicht zu verachten.
Anderseits gilt es zu konstatieren, dass die deutsche Exportindustrie schon unter einem starken Euro leidet, weil die Konkurrenz aus dem Dollarraum ihre Produkte relativ attraktiver anbieten kann. Doch Preise sind schließlich nicht alles, gerade bei deutschen Produkten fließt der Qualitätsaspekt in die Kaufentscheidung mit ein. Sollte zumindest.
Was in den meisten Expertenüberlegungen kaum eine Rolle spielt, ist die Tatsache, dass gerade ein schwacher Dollar (oder ein starker Euro, ganz wie Sie wollen) für deutsche Unternehmen auch ein Segen insoweit sein kann, weil dann zu reduzierten Preisen auch „billige“ Firmenübernahmen im amerikanischen Wirtschaftsraum möglich sind, was nach meiner Beobachtung auch zunehmend der Fall ist. Frei nach der Devise: Kannst du den Konkurrenten nicht schlagen, kaufe ihn.
Anleger sollten hieraus den Schluss ziehen, dass es sich jetzt durchaus lohnen kann, Dollar zu kaufen. Diese Annahme scheint mir sehr plausibel zu sein, weil nach meiner Meinung auf Dauer der Dollar wieder an Boden gewinnen wird. Dann gibt es neben besseren Zinsen als hierzulande auch noch gute Währungsgewinne. Zu verachten ist das nicht.
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