ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2003Ärztliche Wundergreise

VARIA: Post scriptum

Ärztliche Wundergreise

Dtsch Arztebl 2003; 100(23): [64]

Pfleger, Helmut

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Die Approbation ist die Voraussetzung zur Teilnahme am Ärzteschachturnier, Wunderkinder sind also per definitionem nicht zugelassen. Sehr wohl aber „Wundergreise“. Wobei dieser Ausdruck auf den englischen Großmeister Raymond Keene zurückgeht, der als Sekundant von Viktor Kortschnoi in dessen WM-Kampf gegen Karpow im Jahre 1978 seinem „Herrn und Meister“ dieses Epitheton überstülpte. Köstlicherweise hat es mittlerweile sogar als Lehnwort, ebenso wie schon lange vorher „Wunderkind“, Eingang in die englische Sprache gefunden. Übrigens war der „Wundergreis“ Kortschnoi damals erst 47 Jahre alt, allerdings für einen erstmaligen WM-Herausforderer doch schon ein respektables Alter. Inzwischen ist Kortschnoi 72 und schlägt sich immer noch auf der internationalen Schachbühne hervorragend, verglichen mit den Senioren beim Ärzteturnier ist er allerdings ein Jüngling.
Leider konnte vom Dreigestirn Dr. Schütz (92) – Dr. Faulhaber (91) – Dr. Reichel (90) der Büchenbacher Dr. Faulhaber diesmal nicht teilnehmen, aber die beiden anderen „standen pünktlich und rüstig auf der Matte“.
Wie letztes Jahr kam Dr. med. Herbert Schütz wieder aus dem Skiurlaub in Grimmenz (Schweiz) in 1 650 m Höhe zum Schachturnier, braun gebrannt und gut erholt. Und damit seine grauen Zellen – schließlich ist beim Schach nicht nur gutes Sitzfleisch Conditio sine qua non – auch genügend Sauerstoff erhalten, mit einem von 14 auf 15 Prozent gestiegenen Hb-Spiegel. Garantiert ohne Doping mit EPO, was den wachsamen Augen des ebenfalls teilnehmenden Ophthalmologen und Verbandsarztes des Deutschen Schachbunds, Dr. med. Joachim Hofstetter, sicher nicht entgangen wäre.
Dr. Schütz wie Dr. Reichel sind Vorbild und Hoffnung für alle nachgeborenen Schach spielenden Ärzte und überzeugende Beispiele, wie geistige Regsamkeit bis ins hohe Alter gesundheitsfördernd ist. Wie Nestor: „Dem waren schon zwei Geschlechter der sterblichen Menschen“ dahingeschwunden, die vormals mit ihm zugleich ernährt und geboren waren „In Pylos, der hochheiligen, und er herrschte unter den dritten“.
Nun habe ich leider keine Partiebeispiele unserer beiden Nestoren, deshalb eine Kostprobe der „dritten“, also der Urenkelgeneration (allenfalls ein Deut übertrieben).
Sehen Sie, wie Dr. med. Reinhold Schnelzer als Weißer gegen Dr. med. Nuradin Peci hier hätte gewinnen können?

Lösung:

Nach der tückischen Kreuzfesselung 1. Tc1-e1! wäre Schwarz verloren gewesen. Die Annahme des Damenopfers mit 1. ...Dxc3 führt zum Matt durch 2. Txe8, während nach 1. ...Dxe1 2. Dg7 matt setzt. Schwarz verliert also die angegriffene Dame, welche sich nicht vom Fleck rühren darf. Weiß versuchte indes dasselbe Motiv mit 1. Tf1-e1?, musste sich aber nach 1. ...Dxe1+! (diesmal mit Schachgebot!) 2. Txe1 Txe1+ 3. Dxe1 Td1 mit Rückeroberung der Dame mit einem Remis zufrieden geben.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema