ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2003Gesundheitsreform/Kindertherapeuten: Zusammenhalt in der Krise

EDITORIAL

Gesundheitsreform/Kindertherapeuten: Zusammenhalt in der Krise

PP 2, Ausgabe Juni 2003, Seite 241

Bühring, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Endlich haben auch nichtärztliche Psychotherapeuten mit der Bundes­psycho­therapeuten­kammer eine einheitliche berufsrechtliche Vertretung – und damit die Möglichkeit, auf Bundesebene legitimiert ihre Interessen durchzusetzen (siehe Seite 247). Der neue Vorstand wird sich vorrangig dafür einsetzen müssen, das mit dem Psychotherapeutengesetz erkämpfte Erstzugangsrecht zu behalten. Das Gesundheitssystemmodernisierungsgesetz sieht nämlich vor, dass Fachärzte künftig nur noch mit einer hausärztlichen Überweisung aufgesucht werden können – es sei denn, der Patient zahlt 15 Euro Praxisgebühr je Behandlungsfall.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) versteht diese Regelung als „Kampfansage“ an die freiberuflich tätigen Fachärzte und Psychotherapeuten, so deren Vorsitzender Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm während der jüngsten KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung am 19. Mai in Köln. Die KBV schlägt als Kompromiss ein „2-Tarife-Modell“ vor, in dem sich die Versicherten für einen Hausarzttarif nach dem Sachleistungsprin-
zip oder für einen Facharzttarif nach dem Kostenerstattungsprinzip unter EBM-Bedingungen entscheiden könnten (siehe Seite 248). Um den Angriff auf die Freiberuflichkeit abzuwehren – Ulla Schmidt will die Fachärzte lieber als Angestellte in Gesundheitszentren sehen – appellierte Richter-Reichhelm an Hausärzte, Fachärzte und Psychotherapeuten, „an einem Strang zu ziehen“ und Differenzen beizulegen. Dazu gehöre auch, den Psychologischen Psychotherapeuten „einen festen Platz in der KV zu geben“. In der Krise hält man zusammen – in diesem Fall zugunsten der Integration.
Bei ihrer 50. Jahrestagung besannen sich die Mitglieder der Vereinigung der analytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (VAKJP) auf ihre pädagogischen Wurzeln (Seite 262). Zur Prävention von Gewalt wollen sie ihre psychoanalytischen Kompetenzen verstärkt in Schulen und Kindergärten anbieten. Die Kapazitäten der Kindertherapeuten sind allerdings ausgelastet – lange Wartelisten bestimmen den Praxisalltag. Bundesweit, vor allem auf dem Land und in den neuen Bundesländern, sind psychisch kranke Kinder unterversorgt. Ein Grund: Kindertherapeuten werden in der Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zusammen mit den Er-
wachsenentherapeuten geführt. Das heißt: Sind in einem Planungsbereich ausreichend Erwachsenentherapeuten zugelassen, dürfen sich auch keine Kindertherapeuten mehr niederlassen. Zwar gibt es die Möglichkeit, vor Ort so genannten Sonderbedarf zu beantragen, doch dies ist nicht immer einfach. Um die gemeinsame Bedarfsplanung aufzuheben, ist eine Gesetzesänderung notwendig. „Alle Parteien sind im Grunde dafür, doch wir werden seit Jahren abgespeist“, beklagte Renate Höhfeld, Vorsitzende der VAKJP. Das Thema sei zu klein, glaubt sie. Dennoch – die fehlende eigene Bedarfsplanung erklärt nicht den großen Mangel an Kinderpsychotherapeuten im Osten. Dort gibt es noch viele offene Planungsbereiche – das Problem ist hier ein strukturelles. Petra Bühring
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema