ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2003Die Logotherapie Viktor Frankls

BÜCHER

Die Logotherapie Viktor Frankls

PP 2, Ausgabe Juni 2003, Seite 242

Riemeyer, Jörg

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LNSLNS Psychotherapie
Engagiert und facettenreich
Jörg Riemeyer: Die Logotherapie Viktor Frankls. Eine Einführung in die sinnorientierte Psychotherapie. 2., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Gütersloher Verlagshaus GmbH, Gütersloh, 2002, 256 Seiten, gebunden, 24,95 €
Ein Buch über Viktor Frankl und seine Logotherapie – in der aktuellen Situation, in der sehr vielen Menschen die Gewissheit eines Sinn des Lebens abhanden zu kommen droht, sicher ein wichtiges Buch. Frankl, geboren in Wien zu Beginn des vorigen Jahrhunderts, befasste sich schon in jungen Jahren mit der Frage nach dem Sinn. Er ging selbst durch schwere Krisen, erfuhr selbst die existenzielle Leere, die dann ein Schlüsselbegriff seiner Lehre und seines Lebens wurde. Schon bevor ihn Hitlers Schergen für Jahre ins KZ brachten, hatte er als
Psychiater in Wien sein Men-
schenbild und seine Lehre entwickelt: Für ihn war der Patient nicht Objekt einer Behandlung, sondern Sub-
jekt und ebenbürtiges Gegenüber, dem es galt zu helfen, Wege zu einem sinnhaften, verantwortlichen Leben und zu innerer Freiheit zu finden. Vital bedroht, hat er in Jahren im KZ sein Welt- und Menschenbild im eigenen Leben mit seinem eigenen Leiden bestätigt, was seiner Lehre bis heute Glaubwürdigkeit verleiht. Er vertrat seine Wertewelt in der gan-
zen Welt bis zu seinem Tod 1997, fand damit große Resonanz und half vielen Menschen, mit dem Gefühl von Sinnlosigkeit zurechtzukommen, und schaffte Orientierung, indem er dem gängigen Menschenbild der Psychothe-
rapie und der Medizin die gei-
stige Dimension hinzufügte.
Wenn Frankl auch vielen verzweifelten Menschen das Leben gerettet haben mag, so hat er selbst doch die Logotherapie nicht als eigenständige Therapie gesehen, sondern als wichtige Ergänzung. Er wollte das Gedankengut der Logotherapie verinnerlicht sehen, damit es die Haltung und das Handeln des Therapeuten bestimme und die Patienten so auf ihrer Suche nach dem Sinn und bei der Auseinandersetzung mit Wertefragen adäquat begleitet werden konnten.
Der Autor, er ist kein „gelernter Fachmann“, schildert Frankls Leben und sein Anliegen sehr engagiert und facettenreich, die Art seiner Darstellung ist manchmal eigenwillig, wirkt stellenweise unbeholfen, Frankls Botschaft wird aber trotzdem greifbar und deutlich. Das Buch – nicht nur für Fachleute – zeigt, dass Frankls Gedanken gerade heute für viele gesellschaftliche Bereiche relevant sind und ein Korrektiv bilden können gegenüber enthumanisierenden Tendenzen in unserer gegenwärtigen Medizin, Pädagogik und Pflege und auch in der Gesellschaft als Ganzem. Ursula Stahlbusch
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