ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2003Bundes­psycho­therapeuten­kammer: Mit einer Stimme sprechen

POLITIK

Bundes­psycho­therapeuten­kammer: Mit einer Stimme sprechen

PP 2, Ausgabe Juni 2003, Seite 247

Bühring, Petra

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LNSLNS Die Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten haben eine berufsrechtliche Vertretung auf Bundesebene gegründet.

Mehr als zwei Drittel der Psychotherapeuten in Deutschland sind weiblich. In dem frisch gewählten sechs Mitglieder zählenden Vorstand der Bundes­psycho­therapeuten­kammer spiegelt sich diese Mehrheit allerdings nicht wider: Vizepräsidentin Monika Konitzer ist die einzige Frau.
Die rund 30 000 angestellten und niedergelassenen Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten haben jetzt eine Berufsvertretung auf Bundesebene: Am 17./18. Mai wurde in Berlin die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPK) gegründet. Künftig wollen die Psychotherapeuten mit einer Stimme sprechen – Differenzen zwischen den Berufsverbänden und psychotherapeutischen Schulen sollen keine Rolle mehr spielen: „Die Sacharbeit steht im Vordergrund“, betonte der Präsident der BPK, Detlev Kommer.
Zwar haben noch nicht alle Bundesländer Kammern gegründet, doch die Probleme der Psychotherapeuten verlangen diesen frühen Schritt. Noch in diesem Jahr werden Schleswig-Holstein und das Saarland eine Kammer gründen. Die neuen Bundesländer – in denen nur vier Prozent der Vertragspsychotherapeuten niedergelassen sind – haben sich zur Gründung einer länderübergreifenden Kammer ebenfalls noch in diesem Jahr entschlossen. „Neben den Sitzen in der Delegiertenversammlung wird es für den Ausbau der psychotherapeutischen Versorgung im Osten einen Strukturbeauftragten geben“, kündigte Vizepräsident Lothar Wittmann an. Das Gesundheitssystemmodernisierungsgesetz sieht auch bei den Psychotherapeuten Änderungen vor. Künftig sollen nur Haus- und Kinderärzte, Gynäkologen und Augenärzte im kollektivvertraglichen System der Kassenärztlichen Vereinigungen bleiben. Bereits zugelassene Fachärzte können darin bleiben oder Einzelverträge mit den Krankenkassenkassen abschließen. Für neu hinzukommende Fachärzte sollen Einzelverträge die Regel werden. Vorgesehen ist, dass die Hausärzte den Patienten durch das fachärztliche System „lotsen“. „Damit würde die wichtigste Errungenschaft des Psychotherapeutengesetzes, der Direktzugang zum Psychotherapeuten, rückgängig gemacht“, beklagte Kommer. „Es ist zu erwarten, dass kostenträchtige Fehlbehandlungen zunehmen.“
Der Vorstand der Bundes­psycho­therapeuten­kammer will sich künftig dafür einsetzen, „die somatische Schwerlastigkeit des Gesundheitssystems aufzuheben“, betonte Kommer. Jede Krankheit habe eine körperliche und eine seelische Dimension. Dieser Sachverhalt werde vernachlässigt. „Darauf hat bereits der Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen aufmerksam gemacht“, betonte der Präsident. Die Psychotherapeuten fordern deshalb mehr Mitbestimmung in den Gremien des Gesundheitswesens.
Der im Gesundheitssystemmodernisierungsgesetz vorgesehenen Pflichtfortbildung, ohne deren Nachweis ein Arzt nach fünf Jahren seine Zulassung verlieren soll, sehen die Psychotherapeuten gelassen entgegen. „Wir waren immer schon sehr fortbildungsfreudig“, sagte Kommer. Die Länderkammern wollen künftig Zertifizierungssysteme entwickeln. Die Berliner Psychotherapeutenkammer geht mit einem zertifizierten Fortbildungscurriculum, das im Juni beschlossen werden soll, voran. Die Bundeskammer wird eine Mustervorlage entwerfen. Da dies auch die ärztlichen Psychotherapeuten betrifft, ist eine Zusammenarbeit mit der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) vorgesehen.
Gespräche mit den Ärzten will der Vorstand auch in Bezug auf den Wis-senschaftlichen Beirat Psychotherapie (WBK) führen, der zurzeit noch bei der BÄK angesiedelt ist. Der Beirat, der die Wissenschaftlichkeit von Therapieverfahren beurteilt und maßgebliche Empfehlungen erteilt, welche Verfahren von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, wird im Herbst bei der Bundes­psycho­therapeuten­kammer eingerichtet. Zeitgleich läuft die Amtsperiode des WBP ab, sodass eine Neubesetzung unter Mitwirkung der BPK erforderlich sein wird. Die paritätische Besetzung mit Ärzten und Psychologen soll gewährleistet bleiben, doch sollen künftig „neue Therapieverfahren eine Chance erhalten“, betonte Wittmann. Dazu scheint der Austausch von Mitgliedern notwendig zu sein. Gespräche mit der Bundes­ärzte­kammer und dem WBP will der Vorstand demnächst führen. Petra Bühring
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