ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2003Hormontherapie: Neue Studiendaten

AKTUELL: Akut

Hormontherapie: Neue Studiendaten

Dtsch Arztebl 2003; 100(24): A-1641 / B-1361 / C-1277

Koch, Klaus

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LNSLNS Die Hormontherapie für Frauen nach den Wechseljahren enttäuscht erneut. Nach aktuellen Analysen ist bei Frauen, die vier Jahre lang eine in den USA weit verbreitete Hormonkombination eingenommen haben, das Risiko leicht gestiegen, an einer Demenz zu erkranken. Das Ergebnis widerspricht einigen älteren epidemiologischen Studien, die Hoffnungen ausgelöst hatten, durch Hormontherapie ließen sich Demenzen vorbeugen. Die schlechten Nachrichten stammen erneut aus der Women’s-Health-Initiative-Studie. Die Studie war im Sommer 2002 vorzeitig abgebrochen worden, weil unter der Einnahme eines Östrogen/Gestagen-Präparats Herzinfarkte, Schlaganfälle und Brustkrebs leicht zugenommen hatten. Jetzt haben zwei Forschergruppen die Daten von etwa 4 500 Frauen ausgewertet, deren kognitive Leistungsfähigkeit sie seit Beginn der Studie jährlich getestet hatten.

Alle Frauen waren zu Beginn der Studie älter als 65 Jahre, die eine Hälfte hat randomisiert täglich eine Kombination aus konjugierten equinen Östrogenen und Medroxyprogesteronacetat eingenommen, die andere Hälfte ein Placebo. Binnen vier Jahren haben – bezogen auf 1 000 Frauen – unter der Hormontherapie 18 eine Demenz entwickelt, unter Placebo waren es nur neun (JAMA 2003; 289: 2651). Eine zweite Analyse zeigte, dass das Medikament auch den übrigen Frauen nicht dabei half, geistige Fähigkeiten, wie etwa Wortschatz und Gedächtnis zu konservieren (JAMA 2003; 289: 2663). Bei der Bewertung der Daten muss man allerdings berücksichtigen, dass Frauen eine Hormontherapie normalerweise im Alter um die 50 Jahre beginnen, die Studienteilnehmerinnen waren jedoch über 65 Jahre alt. Nicht auszuschließen ist, dass bei Frauen, die früher mit der Therapie beginnen oder andere Präparate einsetzen, die Wirkungen auf das Gehirn weniger negativ ausfallen. Allerdings gibt es dazu bislang keine ausreichend zuverlässigen Studien.

Das Ergebnis bestätige die vor kurzem aktualisierte Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Hormone nur so kurz wie möglich zur Linderung von Wechseljahrsbeschwerden einzunehmen. Eine dritte Arbeit bestätigt, dass die Hormontherapie auch das Risiko für Schlaganfälle erhöht (JAMA 2003; 289: 2673.). Einige Hormon-Befürworter hatten spekuliert, dass dieses Risiko vor allem alte und bereits gefäßkranke Frauen betrifft. Diese These wird durch die Daten nicht unterstützt: Auch bei relativ jungen Frauen und solchen ohne bekannte Gefäßkrankheiten war unter der Hormontherapie das Risiko erhöht. Klaus Koch
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