ArchivDeutsches Ärzteblatt44/1996Mitteilungen: Giftinformationsverordnung Meldepflicht vereinfacht

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Mitteilungen: Giftinformationsverordnung Meldepflicht vereinfacht

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LNSLNS Am 1. September 1996 ist die Novelle der Giftinformationsverordnung in Kraft getreten, die unter anderem die ärztliche Meldepflicht bei Vergiftungen regelt (Paragraph 16e, Absatz 2 des Chemikaliengesetzes). Die Meldungen an das Bundesinstitut für Verbraucherschutz werden durch die Novelle erleichtert.


Mit der Novellierung des Chemikaliengesetzes vom 14. März 1990 und dem Erlaß der Giftinformationsverordnung am 17. Juli 1990 wurde die Meldepflicht für stoffbezogene Erkrankungen eingeführt. Ziel dieser Meldepflicht ist es, auf der Basis von repräsentativen Daten ein realistisches Gesundheitsrisiko für einzelne Stoffe zu ermitteln, um Vergiftungen in Haushalt, Beruf und Freizeit vorzubeugen. Ärzte, die eine Erkrankung behandeln oder deren Folgen beurteilen sollen, bei der der Verdacht besteht, daß sie auf die Einwirkung gefährlicher Stoffe, gefährlicher Zubereitung oder auf Erzeugnisse, die gefährliche Stoffe freisetzen oder enthalten, zurückzuführen ist, sind verpflichtet, diese dem Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz (Bgvv) zu melden. Die Meldung muß Angaben über den Stoff oder die Zubereitung, den Expositionsweg, die aufgenommene Menge, die Symptome sowie über Alter und Geschlecht des Patienten enthalten. Die Informationen über den Patienten müssen in anonymisierter Form erteilt werden.
Die Meldung muß bei akuten Erkrankungen nach Abschluß der Erkrankung gemacht werden, bei chronischen Erkrankungen nach der Diagnose, bei einer Beratung im Zusammenhang mit einer Erkrankung nach Abschluß der Beratung. Wird bei einer Erkrankung mit Todesfolge eine Obduktion durchgeführt, muß die Meldung nach deren Abschluß erfolgen.
Durch die Änderung der Giftinformationsverordnung ist die Meldepflicht wesentlich erleichtert worden. Zum einen wurde der Meldebogen vereinfacht. Zum anderen können die Mitteilungen ab sofort auch telefonisch oder per Fax übermittelt werden.
Seit 1990 sind bei der Dokumentations- und Bewertungsstelle des Bgvv 3 791 Meldungen eingegangen. Davon waren 2 774 meldepflichtige Vergiftungsfälle nach dem Chemikaliengesetz. Die Auswertung ergab, daß besonders viele Vergiftungen durch Pestizide und vor allem durch Insektizide verursacht werden. Auffallend schwere Gesundheitsstörungen treten bei Vergiftungen mit Lampenölen auf. In drei Viertel der Fälle waren Erwachsene, zu einem Viertel waren Kinder betroffen. Unabhängig davon, ob ein Kausalzusammenhang nachgewiesen werden konnte, lagen in mehr als der Hälfte aller Fälle leichte Gesundheitsstörungen vor. 33 Prozent der Fälle wiesen mittelgradige Beeinträchtigungen auf, vier Prozent hatten schwere Gesundheitsstörungen.
Die Dokumentations- und Bewertungsstelle für Vergiftungen des Bgvv hat die ärztlichen Mitteilungen der Jahre 1990 bis 1995 ausgewertet und veröffentlicht. Unter dem Titel "Ärztliche Mitteilungen bei Vergiftungen 1990 bis 1995" ist die Informationsbroschüre kostenlos bei der Pressestelle des Bgvv erhältlich.
Der Meldebogen (Abbildungen 1 und 2) kann in der Dokumentations- und Bewertungsstelle für Vergiftungen im Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, Thielallee 88-92, 14195 Berlin, Tel 0 30/84 12-39 04 oder -39 08, Fax 84 12-39 29 angefordert werden.

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