ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2003Gesundheitswesen: Gewissenshilfe

POLITIK

Gesundheitswesen: Gewissenshilfe

Dtsch Arztebl 2003; 100(24): A-1646

Jachertz, Norbert

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die katholischen Bischöfe äußern sich zur Reformpolitik.

Mit Blick auf die katholische Soziallehre hat die Deutsche Bischofskonferenz „Orientierungen für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem“ erarbeitet. Das Papier („Solidarität braucht Eigenverantwortung“) wurde am 4. Juni in Berlin von Kardinal Karl Lehmann und dem Dresdner Bischof Joachim Reinelt vorgestellt.
Neben dem Bekenntnis zur Solidarität erinnern die bischöflichen Orientierungen an ein weiteres Prinzip der Soziallehre, die Subsidiarität. Im Papier firmiert sie überwiegend als Eigenverantwortung oder Selbstbeteiligung. Dabei sei Selbstbeteiligung nicht einfach als finanzielle Beteiligung an den Kosten zu verstehen, die Frage dürfe nicht zu eng gesehen werden, erklärte Lehmann. Insgesamt wolle man die Rolle des Patienten stärken und auf dessen Verantwortung hinwirken.
Konkrete politische Forderungen oder Vorschläge zur Gesundheitsreform enthält das Papier allenfalls zwischen den Zeilen. Die Autoren stellen vielmehr die Hauptprobleme dar und wägen Lösungsmöglichkeiten ab. So etwa stellen sie zum Leistungsspektrum der Kran­ken­ver­siche­rung „Abwägungskriterien“ vor: individuelle Tragbarkeit (tragbare Risiken sind danach vom Einzelnen zu übernehmen, Großrisiken von der Solidargemeinschaft), Beeinflussbarkeit des Risikos (erhöhte Risiken durch die persönliche Lebensführung sind individuell zu verantworten), Konsumnähe (je näher Leistungen dem üblichen Konsum zuzuordnen sind, desto eher sind sie auszunehmen) und Wirksamkeit (Medikamente ohne Wirksamkeitsnachweis oder Lifestyle-Präparate sollten nicht zum Leistungsspektrum gehören).
Der Text sei kein Kommentar zu den Reformplänen der Bundesregierung oder der Opposition, betonte Lehmann. Eine der wenigen handfesten Vorschläge betrifft die Finanzierung: Versicherungsfremde Lasten sollten aus dem Steuerhaushalt und nicht allein durch die Versicherten finanziert werden, ausgenommen die beitragsfreie Mitversicherung der Familienangehörigen. Die sei keine versicherungsfremde Last, werde hierdurch doch ein „generativer Beitrag zum Erhalt des solidarisch
verfassten Gesundheitssystems anerkannt“. Norbert Jachertz
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema