ArchivDeutsches Ärzteblatt24/200399. Deutscher Bädertag: Prävention am Kurort

POLITIK

99. Deutscher Bädertag: Prävention am Kurort

Dtsch Arztebl 2003; 100(24): A-1648 / B-1367 / C-1283

Merten, Martina

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Inhalieren an der Saline in Bad Sassendorf kann Atemwegserkrankungen vorbeugen und lindern. Foto: Bad Sassendorf GmbH
Inhalieren an der Saline in Bad Sassendorf kann Atemwegserkrankungen vorbeugen und lindern. Foto: Bad Sassendorf GmbH
Heilbäder und Kurorte setzen künftig verstärkt auf Wellnessangebote, Wandern und Nachsorge.

Als „hochaktuell“ bezeichnete Cornelia Prüfer-Storcks das Motto „Prävention“ des diesjährigen
99. Deutschen Bädertags in Bad Sassendorf. Nach Ansicht der nordrhein-westfälischen Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit, Frauen und Familie sei es an der Zeit, die Kompetenz der Kurorte in der Prävention zu verdeutlichen. „Wir wollten zeigen“, so auch der Präsident des Deutschen Heilbäderverbandes e.V. (DHV), Prof. Dr. med. Manfred Steinbach, im Anschluss an den Bädertag, „dass die drei Handlungsfelder der Prävention – Ernährung, Entspannung, Bewegung – im Kurort noch besser umzusetzen sind.“
Trotz der hohen Zahl der selbst zahlenden Gesundheitsurlauber – zehn Millionen im Jahr 2002 – sind die Übernachtungszahlen an deutschen Kurorten und Heilbädern im Vergleich zu 2001 rückläufig: 103,1 Millionen Übernachtungen waren 2002 zu verzeichnen, ein Jahr zuvor waren es noch 105,6 Millionen. Auch die Ankunftszahlen gingen mit 16,7 Millionen Gästen im Vergleich zum Vorjahr mit 16,9 Millionen leicht zurück. Zeit, wie Steinbach befand, das „Wir-Gefühl“ der Mitglieder, also der zwölf Landesheilbäderverbände, des Verbands Deutscher Badeärzte und der Vereinigung für Bäder- und Klimakunde, durch eine Reihe neuer Aktivitäten zu stärken.
Für die Umsetzung von Aktivitäten zu mehr Prävention hält der DHV „moderate“ Aktivitäten der Kurorte für geeignet, wobei das Wandern am Kurort neben Radfahren und Spielen eine besonders große Rolle einnehmen soll. Darüber hinaus soll das Thema „Wellness“ künftig im Mittelpunkt der Kurorte und Heilbäder stehen. „Prävention im Wellnesskleid“, so Steinbach, sei unverzichtbar, da Wellness ein „Verführungsinstrument für das Notwendige“ sei. Gerade die selbst zahlenden Gäste seien bereit, in mehr Wohlbefinden durch Bewegung, Luxus und das richtige Ambiente Geld und Zeit zu investieren. Damit Wellness von den Gesundheitstouristen als seriöses Angebot der Kurorte und Heilbäder wahrgenommen wird, plant der DHV derzeit ein entsprechendes Gütesiegel für Wellnessangebote aus Kurorten. Das Positionspapier des DHV mit dem Titel „Prävention und Gesund­heits­förder­ung in Kurorten und Heilbädern“, das im Januar 2003 für alle Korporationspartner herausgeben wurde, enthält Stellungnahmen des Verbandes zu „Wellness im Kurort“.
Als wichtig für die Umsetzung der Parole von mehr Prävention erachtet der DHV die verstärkte Nachsorge. „Wir müssen dafür sorgen, dass auch nach der Kur das Angebot weitergenutzt wird“, forderte der Präsident. Es nütze nichts, wenn nur während der Dauer des Kuraufenthalts auf Bewegungsübungen, gesunde Ernährung und Entspannung geachtet werde. Außerdem sei die Evaluation von Kurergebnissen notwendig, um die Qualität zu verbessern.
Prüfer-Storcks wies darauf hin, dass die Stärkung von Prävention und Gesund­heits­förder­ung als eines der zentralen Vorhaben der Bundesregierung in der Koalitionsvereinbarung vom 16. Oktober 2002 verankert worden sei. Prävention soll eine eigenständige Säule neben Akutbehandlung, Rehabilitation und Pflege werden. Zudem ist ein Präventionsgesetz geplant, in dem die bestehenden gesetzlichen Regelungen zusammengefasst und ergänzt werden sollen. Ein erstes Eckpunktepapier soll bereits in den nächsten Monaten veröffentlicht werden. „Hauptproblem ist, dass sich viele Organisationen mehr Leistungen durch das Gesetz versprechen“, bemängelte der DHV-Präsident. Diese werde es aber sicherlich nicht geben.
Steinbach übte Kritik an den Überlegungen des Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, die ambulanten Vorsorgemaßnahmen am Kurort zu streichen. Es sei „widersinnig“ und ließe „mangelnden Sachverstand der Bundesregierung vermuten“, eine Offensive für Prävention mit der Streichung von Vorsorgemaßnahmen einzuleiten. Schließlich handele es sich nicht um Gesundheitsurlaub hinreichend Gesunder, sondern „um Therapien beinaher Kranker und schon chronisch Kranker“. Skeptisch zeigte sich der Präsident auch in Bezug auf das „Deutsche Forum Prävention und Gesund­heits­förder­ung“, das im Juli 2002 aus dem von Bundesgesundheits- und Sozialministerin Ulla Schmidt moderierten Runden Tisch hervorgegangen ist. Ob das Forum hinsichtlich Kuren und Rehabilitation eine Einigung erzielen kann, sei zu bezweifeln. Dem Forum gehören 60 Organisationen der Prävention und Gesund­heits­förder­ung an, so auch der Deutsche Heilbäderverband.
Der 100. Deutsche Bädertag vom 24. bis 26. April 2004 in Baden-Baden widmet sich schwerpunktmäßig den Themen „Walking“ und „Qualität am Kurort“. Martina Merten
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