ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2003Gesundheit von Kindern und Jugendlichen: Start einer Studie

POLITIK

Gesundheit von Kindern und Jugendlichen: Start einer Studie

Dtsch Arztebl 2003; 100(24): A-1650 / B-1368 / C-1284

Bergmann, Karl E.; Thefeld, Wolfgang; Kurth, Bärbel-Maria

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LNSLNS Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey des Robert Koch-Instituts untersucht umfassend die Gesundheit der Heranwachsenden in Deutschland.

Mit dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey wird die Gesundheit der heranwachsenden Generation in Deutschland erstmals umfassend untersucht. Seit Mai 2003 wird die Studie des Robert Koch-Instituts, Berlin, über einen Zeitraum von drei Jahren an Kindern und Jugendlichen zwischen 0 und 18 Jahren Daten zu gesundheitlichen Themen (Textkasten) erheben. Die 18 000 Teilnehmer werden in 150 für Deutschland repräsentativen Gemeinden aus dem Einwohnermelderegister durch ein Zufallsverfahren ermittelt. Zu den Instrumenten gehören eine schriftliche Befragung der Eltern sowie der Heranwachsenden ab elf Jahren, ein ärztliches Interview, Untersuchungen wie Anthropometrie, Nah- und Fernvisus, räumliches Sehen, Blutdruck, Tests der Fein- und Grobkoordination (bis zehn Jahre) sowie der Ausdauerleistungsfähigkeit im Alter zwischen elf und 18 Jahren, Schilddrüsensonographie, Hautinspektion mit Schwerpunkt atopische Dermatitis, Blut- und Urinuntersuchungen.
Breite Unterstützung
Die pädiatrischen Fachverbände unterstützen die Studie und stellen dafür das Logo der Deutschen Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin zur Verfügung. Das Projekt ist modular aufgebaut und wird durch das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung, das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft gefördert.
Nach datenschutzrechtlicher und ethischer Überprüfung wurden die Untersuchungen an 1 630 Kindern und Jugendlichen in vier Gemeinden in der Zeit vom März 2001 bis zum Februar 2002 erprobt. Unter Berücksichtigung der Pretestergebnisse und -erfahrungen, der Empfehlungen des wissenschaftlichen Beirats und der Gutachterauflagen entstand ein Konzept, mit dessen Hilfe repräsentative, über Raum und Zeit vergleichbare, belastbare Daten standardisiert und konjunkt gewonnen werden können.
Drei Untersuchungsteams ziehen, jeweils unter der Leitung eines Kinderarztes, nach einem festgelegten Plan durch Deutschland und werden in jeder teilnehmenden Gemeinde zwei bis drei Wochen lang die ausgewählten Kinder und Jugendlichen untersuchen. Das Robert Koch-Institut hat das Projekt im Rahmen von Öffentlichkeitsarbeit zuvor den Gemeinden vorgestellt. Besondere Anstrengungen wurden unternommen, um Migrantenkinder angemessen in die Studie einzubeziehen. Dazu gehören spezielle Medienarbeit, ein für Familien mit ungenügenden Sprachkenntnissen entwickeltes Einladungssystem, übersetztes Informationsmaterial und Fragebögen.
Das Projekt hat einen modularen Aufbau: Der Kernsurvey erhebt zu den gesundheitlichen Anliegen vor allem Eckwerte. In drei Modulen werden an Unterstichproben zusätzlich Untersuchungen zur seelischen Gesundheit und zum Verhalten, zur motorischen Entwicklung und Kompetenz sowie zu Umweltbelastungen im unmittelbaren Lebensumfeld der Probanden vorgenommen. Nach den Erfahrungen aus dem Pretest ist mit einem guten Rücklauf und einer realistischen Abbildung der gesundheitlichen Situation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland zu rechnen.
Etwa ein Jahr nach Beendigung der Felduntersuchungen werden ein erster Band mit Grundauswertungen veröffentlicht und die Daten als „public use file“ der Fachwelt zur Verfügung gestellt, damit auch Wissenschaftler außerhalb des Robert Koch-Instituts auf der Datengrundlage eigene Fragestellungen bearbeiten können.
Das Projekt soll zur gesundheitlichen Situation der heranwachsenden Generation am Beginn des 21. Jahrhunderts Basisdaten schaffen, die die Entdeckung, Beschreibung und Bewertung künftiger Trends erleichtern sollen. Insofern gehört die Beantwortung von Fragen zu künftigen Entwicklungen der Gesundheit zu den Anliegen der Studie.

Prof. Dr. med. Karl E. Bergmann
Dr.-Ing. Wolfgang Thefeld
Dr. rer. nat. Bärbel-Maria Kurth
Robert Koch-Institut, Berlin


Textkasten
Themenfelder des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys
Körperliche Gesundheit, Krankheiten
– Allgemeines, körperliche Entwicklung
– Akute und chronische Krankheiten
– Unfallverletzungen
– Behinderungen
– Schwangerschaft, Geburt
– Angeborene Fehlbildungen
Seelische Gesundheit, Probleme
– Frühe Entwicklung
– Psychisches Wohlbefinden
– Psychische Krankheiten, zum Beispiel Depression
– Verhaltensauffälligkeiten, zum Beispiel ADHS
– Lebensqualität
– Schmerzen
Soziale Gesundheit, Lebensbedingungen
– Soziodemographie
– Soziale Ungleichheit
– Soziale Kontakte, soziales Netz
– Schutzfaktoren, personale Ressourcen
– Familie, Lebensumfeld
– Freizeitaktivitäten
Gesundheitsverhalten, Gesundheitsrisiken
– Ernährung
– Stillanamnese
– Essstörungen
– Adipositas
– Rauchen, Alkohol-, Drogenkonsum
– Körperliche Aktivität/motorische Kompetenz
Medizinische Versorgung
– Impfstatus
– Inanspruchnahme ambulanter Leistungen
– Inanspruchnahme stationärer Leistungen
– Behandlungen
– Medikamentenkonsum
– Kran­ken­ver­siche­rung
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