ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2003Rehabilitation: Adaptionsprobleme

POLITIK: Kommentar

Rehabilitation: Adaptionsprobleme

Dtsch Arztebl 2003; 100(24): A-1653 / B-1371 / C-1287

Clade, Harald

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS n dem Maße, wie durch die Implementierung des Pauschalentgeltsystems im Bereich der Akutkrankenhäuser die Leistung verdichtet wird und die Verweildauer sinkt, wird wegen der zu erwartenden Leistungsverlagerungen der Rehabilitationssektor stärker als bisher beansprucht. Auch der ambulante Sektor ist unmittelbar von solchen Verschiebungen betroffen, ohne dass in den dem Akutsektor vor- und nachgelagerten Leistungssektoren „kongeniale“, zumindest vergleichbare Finanzierungs- und Abrechnungsvoraussetzungen, gelten, wie sie jetzt infolge der Umstellung des Finanzierungsmischsystems auf DRG-basierte Entgelte im Kliniksektor gelten.
Wie der jüngste Jahreskongress des Bundesverbandes Deutscher Privatkrankenanstalten, der unter anderem auch zahlreiche Reha-Kliniken vertritt, in Potsdam unterstrich, nehmen die Reha-Einrichtungen und -kliniken diese Herausforderungen offensiv an. Allerdings: Eine spiegelbildliche Übertragung des aus Australien importierten diagnosebezogenen Fallpauschalensystems auf die Sondersektoren Rehabilitation, Geriatrie und Pflege kann nicht funktionieren, weil der DRG-„Stecker“ einfach noch nicht auf den Rehabilitationssektor passt.
Bisher werden rehabilitative Leistungen sowohl von der Gesetzlichen Kranken- als auch von der Rentenversicherung überwiegend über einrichtungsspezifische, voll pauschalierte tagesgleiche Pflegesätze vergütet – bei monistischer Finanzierung der Reha-Einrichtungen und planungsfreien Entwicklungszonen. Mit dem Tagessatz in der Rehabilitation sind sämtliche Leistungen, auch die Investitionskosten, abgedeckt (monistische Finanzierung). Eine Differenzierung nach Fällen oder Erkrankungsschwere erfolgt in der Regel nicht. Eine Differenzierung nach Abteilungen innerhalb einer Einrichtung ist jedoch möglich.
Der gravierende Unterschied zwischen Akutkrankenhaus- und Rehabilitationssektor: DRG-bezogene Fallpauschalen in Form von Festpreisen sollen tendenziell die Verweildauer auf das medizinisch notwendige und indizierte Maß begrenzen, eine überlange Verweildauer abkürzen und den Leistungsprozess verdichten. Zudem sollen durch Mengenkontingente Anreize zur Fallzahlsteigerung unterbunden werden. Da die Rehabilitationsleistungen jedoch durch die Rehabilitationsträger bewilligt werden, ist eine unangemessene Fallzahlsteigerung in der Rehabilitation jedoch in der Regel kaum möglich. Ebenso kann mit DRG-bezogenen Entgelten die Verweildauer nicht weiter gedrückt werden, da die Reha-Maßnahmen eine Mindestverweildauer erfordern und per Gesetz Höchstdauern (flexibilisiert) festgelegt wurden, deren Überschreiten gegenüber dem Kostenträger zu begründen und von diesem zu genehmigen ist.
Ein leistungsgerechtes erfolgsorientiertes Vergütungssystem in der Rehabilitation könnte die bisherige sektorale Abschottung überwinden, die Transparenz verbessern und die Leistungen und Kosten besser vergleichbar machen. Allerdings ist es erforderlich, das DRG-System so zu modifizieren und speziell auf die Sondersituation der Rehabilitation zu adaptieren, dass die unterschiedlichen Ausprägungen in der Krankheitsschwere und des Versorgungsbedarfs der Patienten berücksichtigt werden. Dies ist auch bei den geltenden tagesgleichen Pflegesätzen ein bisher noch ungelöstes Problem. Betriebswirtschaftlich und medizinisch ist es deshalb erforderlich, dass die Reha-Einrichtungen künftig homogene, zustandsorientierte Patientengruppen definieren, die Basis für entsprechende, phasenbezogene Entgelte werden – nicht notwendigerweise in Form von Fallpauschalen. Der Zustand des Patienten, die Schwere der Behinderung und die Integrationsmöglichkeiten müssen für ein spezifisches Patientenklassifikationssystem in der medizinischen Rehabilitation ausschlaggebend sein. Diese könnten auch Grundlage für ein fallgruppenbezogenes Qualitätsmanagement bilden. Dr. rer. pol. Harald Clade
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema