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OP

Dtsch Arztebl 2003; 100(24): A-1673 / B-1387 / C-1303

Mercurio, Jed

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Roman: Intensive Leseerfahrung
Jed Mercurio: OP. Roman. Aus dem Englischen von Werner Schmitz. Manhattan Verlag, München, 2002, 384 Seiten, gebunden, 22,90 €

Ein schnörkellos geschriebenes Buch, das den Leser in seinen Bann zieht. „Am 1. August nehme ich Abschied von der Außenwelt, verlasse die Umgehungsstraße und fahre unter dem Metallbogen des Krankenhaustors hindurch.“ Ein junger Arzt tritt seine erste Stelle an einem Krankenhaus in den englischen Midlands an. Unvorbereitet gerät er in das Räderwerk eines medizinischen Großbetriebs. Von einem Tag auf den anderen wird sein Leben auf den Kopf gestellt, sein Privatleben hört auf zu existieren, seine Beziehung zu einer Frau ist zum Scheitern verurteilt, da eine Verbindung zur „nor-malen“ Welt außerhalb des Krankenhauses kaum mehr besteht.
Mit kurzen, prägnanten Sätzen erzeugt der Autor, der selbst als Krankenhausarzt angestellt war, beim Leser schnell ein Gefühl der Beklemmung, von dem man sich bis zum Schluss – denn man muss da durch, eine andere Möglichkeit gibt es kaum – nicht zu lösen vermag. Gerade auf Station, sieht sich der junge Arzt bei Notfallmaßnahmen allein gelassen und völlig überfordert. Nur mühsam kann er sich an die im Schattenreich der Klinik geltenden Regeln gewöhnen – Regeln, nach denen die Fassade von Effizienz und umfassender Kompetenz unbedingt aufrechtzuerhalten sind; Regeln, nach denen Fehler verschwiegen und vertuscht werden müssen. Nur schwer kann sich der Neuling mit den
nirgendwo festgeschriebenen hierarchischen Strukturen zurechtfinden. Ein Verstoß dagegen kann das Ende der medizinischen Karriere bedeuten. Zur psychischen kommt noch die physische Über-
forderung infolge häufiger Nachtdienste. Schließlich droht der Arzt an einem Fehler, der seiner Ansicht nach den Tod einer Patientin zur Folge hat, vollends zu zerbrechen. Vergessen findet er allein in einer leidenschaftlichen Affäre mit einer Krankenschwester. Der einzige Ausweg besteht darin, die bestehenden Zwänge aufzubrechen und in einen wahrhaften Dialog mit den Pati-enten zu treten – ein bewe-
gendes Plädoyer für mehr Menschlichkeit im Krankenhaus. Thomas Gerst
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