ArchivDeutsches Ärzteblatt44/1996Börsebius zu Aktien: Was Profis so sagen

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Aktien: Was Profis so sagen

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Besonders nach den starken Kursanstiegen der letzten Monate werde ich immer wieder nach kaufenswerten Aktien gefragt. Das ist eine ganz heikle Angelegenheit, weil ich nach wie vor der Meinung bin, daß das Börsenparkett völlig überhitzt ist; andererseits aber sehe ich auch ein, daß etliche sich engagieren wollen, weil es bei Festverzinslichen nichts zu verdienen gibt.
Für alle, die partout einsteigen wollen, habe ich aus einer Palette von Empfehlungen, die ich so von Kollegen höre, die interessantesten herausgesucht. Wie zum Beispiel Adidas bei einem aktuellen Kaufkurs von 135 Mark. Die Experten von Paribas Capital Markets stufen den Sportschuhhersteller weiterhin als gute Gelegenheit ein, besonders im Vergleich zu internationalen Wettbewerbern. Adidas, so die Überzeugung der Franzosen, bleibe ein exzellenter Wachstumswert.
Mit HSBC James Capel kommt hier ein Vertreter der britischen Investmentszene zu Wort. Die Londoner erwärmen sich sehr für Veba. Allerdings nicht aus kurzfristiger spekulativer Sicht, sondern bei einer langfristig orientierten Betrachtung. Für das Gesamtjahr erwartet James Capel einen Gewinn je Aktie von fünf Mark.
Begründet wird die positive Einschätzung von Veba mit einer starken Verbesserung des Konzerngeschäfts im Bereich der Petrochemikalien. Die derzeitige Börsennotiz liegt bei rund 83 Mark. Hundert Mark sollten in drei oder vier Jahren ohne weiteres erreicht werden. Auf einen Klassiker setzt auch CS First Boston. Bei Hoechst und einem Kurs von 58 Mark steht das Signal eindeutig auf "kaufen". Die Börse unterschätze völlig das Potential des Frankfurter Chemiekonzerns im Pharmageschäft und bei Agrochemikalien. Auf einer 44seitigen Studie kommt CS First Boston zu dem Schluß, daß die Aktie ein Potential von mindestens 13 Prozent hat.
Dieser Reigen soll – aus gutem Grund – nicht ohne Verkaufsempfehlung enden. BZW, das ist Barclays de Zoete Wedd, rät bei Hochtief zum Abschied. Die Marktbewertung sei mit den Fundamentals einfach nicht mehr in Einklang zu bringen. Auf deutsch: Der Börsenkurs von heute (noch) 66 Mark ist zu hoch.
Für die Jahre 1996 bis 1998 prognostiziert BZW einen Abstieg der Gewinne je Aktie von 3,20 auf 2,70 Mark. Hochtief werde mindestens bis zum Ende des Jahrzents unter der schwachen heimischen Baukonjunktur leiden, was mit einer Halbierung des Personalstandes einhergehen wird.
Der BZW-Meinung kann ich nur folgen. Darüber hinaus hat Hochtief mit der Beteiligung an Holzmann sich selbst ein faules Ei ins Nest gesetzt. Es kann gut sein, daß sich Hochtief an einer finanziellen Rettungsaktion für die angeschlagene Holzmann beteiligen muß. Der gemeine Börsianer wird dann sicherlich Zeter und Mordio schreien. Der kluge hat sich schon vorher verabschiedet. Börsebius
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