ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2003Spezifische Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Atemwegserkrankungen: Literatur nicht beachtet
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LNSLNS Es ist schade, wenn, wie im vorliegenden Beitrag, diese Diskussion einseitig unter Nichtbeachtung relevanter wissenschaftlicher Literatur geschieht. So wurde im November 2001 das Positionspapier der ARIA (Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma), einer internationalen Arbeitsgruppe der Welt­gesund­heits­organi­sation, veröffentlicht, das die existierenden Therapieverfahren für die allergische Rhinitis und das allergische Asthma einschließlich subkutaner und sublingualer spezifischer Immuntherapie nach den strengen Kriterien evidenzbasierter Medizin bewertet hat (1). Hiernach ist die Wirksamkeit der sublingualen und der subkutanen Immuntherapie für die saisonale allergische Rhinokonjunktivitis bei Erwachsenen und Kindern mit Grad 1B dokumentiert. Der gleiche Härtegrad liegt für die sublinguale Immuntherapie (SLIT) bei perennialer Rhinokonjunktivitis bei Erwachsenen vor. Die noch 1998 ausgesprochene Ablehnung der WHO für die SLIT bei Kindern wird in dem ARIA-Papier revidiert. Voraussetzung für die Wirksamkeit ist allerdings, dass die kumulative Dosis der SLIT mindestens 50- bis 100mal höher ist als die der subkutanen Immuntherapie (1, 2). Die Beurteilung der SLIT von Kleine-Tebbe et al. berücksichtigt nur sieben der zahlreichen bis heute publizierten randomisierten kontrollierten Studien zur SLIT (Übersichten zum Beispiel bei 1, 2, 3). Auffällig ist, dass die kumulative Dosis der von Kleine-Tebbe et al. zitierten Studien nur zum Teil den ARIA-Empfehlungen genügt (4, 5, 6), zumeist aber lediglich das 3- bis 40fache der subkutanen Immuntherapie betrug (7, 8, 9, 10).
Es ist zwar richtig, dass für die seit etwa zehn Jahren eingesetzte SLIT noch nicht alle Punkte geklärt sind, wenngleich viele der von den Autoren angesprochenen offenen Fragen auch für die subkutane Immuntherapie bei weitem noch nicht beantwortet sind. Die Wirksamkeit der SLIT bei Kindern und Erwachsenen ist aber heute eindeutig belegt bei gleichzeitig deutlich besserer Verträglichkeit.
In kontrollierten klinischen Studien und in der Pharmakovigilanz der Allergenextrakt-Hersteller wurde bei bis heute mehr als 100 Millionen Einnahmen noch nicht einmal eine anaphylaktische Reaktion berichtet, während nach einer Pharmakovigilanzauswertung des Paul-Ehrlich-Instituts das Risiko für schwere systemische, nicht fatale unerwünschte Ereignisse bei 0,002 bis 0,0076 Prozent pro Injektion für native Allergene und 0,01 bis 0,005 Prozent pro Injektion für Allergoide liegt (11). Ich persönlich halte es daher weder für angebracht noch mit der vorliegenden Literatur vereinbar, der sublingualen Immuntherapie einen Platz in der Behandlung IgE-vermittelter allergischer Atemwegserkrankungen abzusprechen.

Literatur beim Verfasser
Dr. med. Hans-Jochen Sieber
Stallergenes GmbH & Co. KG
Hubert-Underberg-Allee 1, 47495 Rheinberg

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