ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2003Börsebius rund ums Geld: Der Pferdefuß

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius rund ums Geld: Der Pferdefuß

Dtsch Arztebl 2003; 100(24): [64]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Kennen Sie schon das Ärzte-Unternehmen KSK? Mir selbst war die „KSK-Pharma AG“ mit Sitz in Karlsruhe bislang nicht bekannt, wurde aber von einigen Lesern auf Geschäftsaktivitäten der badischen Gesellschaft hingewiesen, was meine Neugier durchaus angeregt hat.
So richtig schlau bin ich beim Studium der mir verfügbaren Unternehmensliteratur immer noch nicht geworden, vielleicht mögen Sie aber selbst urteilen.
„. . . wie telefonisch besprochen sende ich Ihnen weitere Informationen über KSK zu. Wir sind als überwiegend in Ärztehand befindliches Unternehmen auf der Suche nach Kooperationspartnern und bieten über die Pharma-Marketing-Agentur Ampit GmbH Kooperationen auf regionaler Ebene an, die letztendlich Budgets aus dem Pharma-Marketing dem Gesundheitswesen vor Ort verfügbar machen . . .“
Verstanden habe ich davon herzlich wenig und nach einem Andauern meiner Verwirrtheit sollte mir ein Blick in die Unternehmensdaten endlich weiterhelfen. Das Unternehmen vertreibt nach eigenen Angaben Generika, und die Produkte seien seit 1997 auf dem Markt und das mit wachsendem Erfolg. Das klingt doch schon mal gut.
Auch die von der KSK definierten „Ziele des Managements“ kann ich leicht nachvollziehen, alles recht plausibel. Man engagiere sich im Interesse von Arzt und Patient, preiswerte Produkte von ausgezeichneter Qualität sollen angeboten und die Kompetenz der Ärzteschaft nutzbar gemacht werden. Wer könn-
te solch edler Fokussierung nicht willig folgen. Ach, ein Unternehmensziel hätte ich jetzt fast vergessen, die Wertsteigerung der KSK-Aktie hat sich das Management auch auf die Fahne geschrieben.
Prima Idee. Ein Blick auf den Kursverlauf der KSK-Aktien (Stämme und Vorzüge) im „KSK-AktienForum Nr. 18“ lässt den Betrachter neidvoll auf fantastische Kursgewinne bei KSK schauen, was wegen der eigenen erlittenen Depotverluste umso heftiger schmerzt. Die Botschaft ist klar: Leute, selbst in so harten Börsenzeiten wie diesen hat die KSK-Aktie toll abgeschnitten, jetzt wird es aber höchste Zeit, da mitzumachen.
Wie kommt es eigentlich, dass ich den Verdacht einfach nicht loswerde, die Sache habe einen Pferdefuß? Und einen riesigen obendrein.
Die genannten Aktien werden nämlich gar nicht an der Börse notiert! In dürren Worten ist es schlicht so, dass das Management sich nach meiner Beurteilung in der Lage sieht, die Kurse s e l b s t festzustellen.
Das ist natürlich ein ziemlicher Hammer. Meines Erachtens geht es also bei der Ansprache an die Ärzteschaft in erster Linie darum, sie in KSK-Aktien zu locken oder für die bevorstehende Genussscheinemission der 100-Prozenttochter KSK-Pharma Projekt GmbH willige Zeichner zu finden. Ich würde mir dabei nicht die Finger verbrennen wollen.
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