ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2003Palliativmedizin: Protest

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Palliativmedizin: Protest

Dtsch Arztebl 2003; 100(25): A-1733 / B-1437 / C-1353

Rümmelein, Anna

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LNSLNS Empörung treibt mich zu einem Leserbrief-Protest. Und dabei geht es – hoffentlich – gar nicht um mein Eigeninteresse. Meine Tochter ist Ärztin, meine Hausärztin eine meiner besten Freundinnen, beide wissen, dass meine Patientenverfügung wohlüberlegt und sehr ernst gemeint ist, und ich vertraue darauf, dass man mich am Ende meines Lebens nicht von einem Arzt betreuen lässt, dem das „Liebesgebot“ Richtschnur seines Handelns ist.
Aber ich habe Sterbende begleitet, und es zerreißt mir fast das Herz, wenn ich daran denke, dass Menschen an einen Arzt geraten können, für den eine Patientenverfügung „Betreuung und palliative Behandlung zum großen Teil bedeutungslos macht“.
Der gesunde Arzt kann sich wohl das physische und psychische Leid eines Patienten „hypothetisch“ vorstellen, genauso wie der Mensch, der mit klarem Verstand in gesunden Tagen seine vermutliche Schmerzgrenze ausmisst. Das Risiko zu bedenken, dass ihm vielleicht in der letzten Sekunde noch etwas Anderes einfallen könnte, hat ihm die Abfassung seiner Verfügung vorgegeben.
Von meinem „letzten Arzt“ erwarte ich weder, dass er mich liebt, noch dass er mich tötet – für beides kann es niemals ein „Gebot“ geben –, nur meinen Willen sollte er respektieren, und die Anmaßung, für mich zuletzt eine „Kultur des Lebens“ zu entwickeln, etwas zu „stützen“ oder zu „erhalten“, die mag er im Interesse meiner Würde bleiben lassen, auch wenn das gegen sein Verständnis von Ethik und Würde geht.
Anna Rümmelein, Böcksteiner Straße 39, 81241 München
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