ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2003Homöopathie: Gewagter Paradigmenwechsel

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Homöopathie: Gewagter Paradigmenwechsel

Dtsch Arztebl 2003; 100(25): A-1734 / B-1438 / C-1354

Zurowski, Bartosz

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LNSLNS In dem Beitrag manifestiert sich eine Aporie dieser inhärent zutiefst unwissenschaftlichen Heilmethode. Auf die seit langem erhobene
Forderung von Wirksamkeitsnachweisen und naturwissenschaftlicher Fundierung hin ergreift Homöopathie-Professor Köster eine ambivalente Flucht nach vorne: Er versucht die Homöopathie naturwissenschaftlich zu untermauern, indem er allgemein anerkannte naturwissenschaftliche Paradigmen für inadäquat erklärt und sie mit einem eigens adaptierten System ersetzt: Da sich „statistisch kein chemischer Wirkstoff nachweisen lässt“, seien nicht biochemische, sondern „quantenlogische Grundlagen“ für die Wirkung der Homöopathika entscheidend. Die von Köster vorgebrachte Begründung für den gewagten Paradigmenwechsel: Wenn sich eine „physische, physikalische Wirkung“ beobachten ließ, „musste die Wirkung physikalisch erklärbar sein“ – quantenlogisch!
Es sei betont, dass die wissenschaftliche Untersuchung des Systems Homöopathie wichtig und notwendig ist: Es ist einerseits die medizinpsychologische Betrachtung der Patienten- und Untersuchervariablen und andererseits die Erforschung des Placebo- und Noceboeffekts. Wie begegnen homöopathische Therapeuten dem Patienten, wie sieht die Therapeuten-Patient-Interaktion aus, wie sind Patienten dem Therapeuten gegenüber eingestellt? Und vor allem: Was davon ließe sich sinnvoll in die Schulmedizin integrieren.
Der Erfolg des Homöopathie-Vaters Samuel Hahnemann als Therapeut war vermutlich zum bedeutenden Teil ein indirekter: Man schätzt, dass erst seit etwa 1900 die Wahrscheinlichkeit, von einem Arztbesuch zu profitieren größer als 50 Prozent war. Zu Zeiten Hahnemanns war der Arztbesuch statistisch gesehen gefährlicher als keine Therapie – oder Homöopathie. Heute sind es wohl Zeitinvestition und Form der Zuwendung des Therapeuten, von der bestimmte Patienten tatsächlich profitieren – insbesondere auf dem Boden negativer Erfahrungen mit einer zunehmend unter Kosten- und Zeitdruck geratenen Medizin.
Bartosz Zurowski, Neurologische Klinik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistraße 52, 20346 Hamburg
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