ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2003Gesundheitsreform: Triefende Lügen

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Gesundheitsreform: Triefende Lügen

Dtsch Arztebl 2003; 100(25): A-1736 / B-1440 / C-1355

Grote, Wolfgang

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LNSLNS Schlagworte und endloses Gerede ohne wirkliche Aussage der Politiker zu wesentlichen Problemen der Menschen dienen der eigenen Arbeitsplatzbeschaffung und Erhaltung. Das ewige Gewäsch ist ärgerlich und hinderlich, aber es ist relativ harmlos. Politiker versuchen zwar über alles im Leben der Menschen zu verfügen, ohne dass sie selbst irgendetwas produzieren außer diesen Verfügungswahn. Dies sollte ausreichen, dass die arbeitenden Menschen diese Faulpelze zum Tempel rausjagen.
Leerformeln sind m. E. nicht leer. Leerformeln sind nicht ohne Inhalt. Leerformeln sind keine leeren Formeln, sondern sie sind prall gefüllt von triefenden Lügen, um die Menschen zu hintergehen.
Diese Lügen sprechen in einer Sprache, die wir kennen. Ihre Aussagen sind für uns nachvollziehbar, damit falsifizierbar und verlieren deshalb ihre Macht über uns. So ist natürlich die „Selbstbeteiligung“ der Versicherten an den Kosten der Krankenkassen, die paritätische Mitbestimmung der Arbeitgeber, der solidarische Wettbewerb u. a. klar als Lüge zu durchschauen und somit ohne Macht. Erst eine Sprache, die durch Sinnverwirrung ihren Informationscharakter verliert, nur noch von der Clique der Mächtigen verstanden wird, wie sie G. Orwell in seinem systemkritischen Roman „1984“ entwirft, dieses Neusprech, zerstört durch die Sinnverdrehung der Inhalte der Worte eine Möglichkeit zur Verständigung und raubt durch menschliche Demagogen der Menschengemeinschaft ihre Menschlichkeit, ihre Möglichkeit der Verständigung. Sie kann die Zerstörung des Menschen durch eine perfekte Staatsmaschinerie durchsetzen . . .
Die „Sozial- und Gesundheitspolitik muss von Menschen ausgehen“, diese Aussage hat den Charakter von Neusprech, denn die Politik kann nichts für die Menschen tun, sie ist eine Institution. Die Sprache der Politiker, das Neusprech, sollte niemals die Sprache der Ärzte werden.
Dr. med. Wolfgang Grote, Frohnhofweg 4, 50858 Köln
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