ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2003Krebsvorsorge. Schaden und Nutzen der Früherkennung

BÜCHER

Krebsvorsorge. Schaden und Nutzen der Früherkennung

Dtsch Arztebl 2003; 100(25): A-1738

Weymayr, Christian; Koch, Klaus

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Krebsvorsorge: Chancen und Grenzen
Christian Weymayr, Klaus Koch: Mythos Krebsvorsorge. Schaden und Nutzen der Früherkennung. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main, 2003, 293 Seiten, gebunden, mit Schutzumschlag, 19,90 €
Dieses Buch ist gut und wichtig. Es korrigiert einen Mythos und schließt eine Lücke. Die beiden renommierten Wissenschaftsjournalisten Christian Weymayr und Klaus Koch behandeln in ihrem klar und leicht verständlich geschriebenen Buch ein brisantes Thema: Nutzen und Risiken der so genannten Krebsvorsorge.
Schon die zum Beispiel in Werbespots mit Prominenten geweckte Vorstellung, die angebotenen Vorsorgeuntersuchungen könnten vorbeugend wirken, das heißt die Entstehung von Krebserkrankungen verhindern, wird fundiert relativiert. Wie internationale Studien zeigen, gelingt es eben nur sehr selten, die Vorstadien eines bösartigen Tumors rechtzeitig zu erkennen und die Entstehung einer Krebserkrankung zu verhindern. In der Regel geht es um nicht mehr und nicht weniger als eine frühe Erkennung mehr oder weniger bösartiger Tumoren.
Ohne die allerorten propagierte Krebsvorsorge pauschal abzulehnen, zeigen die Autoren auf der Basis fundierter Literaturanalysen und anhand konkreter Zahlen auf, mit welchem Nutzen und welchen Risiken die einzelnen Screeningmaßnahmen verbunden sind. Insbesondere die in Deutschland gesetzlich vorgesehenen Programme gegen Brust-, Prostata-, Darm- und Hautkrebs werden ausführlich und ausgewogen analysiert. Das Buch ist vor allem deshalb wichtig, weil dabei auch die oft verschwiegenen Risiken wie Fehldiagnosen, Verunsicherung, unnötige operative Eingriffe oder Nebenwirkungen der Diagnostik selbst detailliert dargestellt und quantifiziert werden.
Die klare Sprache sowie die systematische und übersichtliche Aufbereitung des umfangreichen Materials erlauben es auch einem Laien, schnell einen sehr guten Überblick über den aktuellen Stand des Wissens zu gewinnen. Das Buch ersetzt den unreflektierten Mythos uneingeschränkt sinnvoller Vorsorge durch eine aufgeklärte Abwägung nachweisbarer Chancen und Grenzen.
Ob Einladung zur Mammographie, empfohlener Haemoccult-Test oder Aufforderung zur präventiven Koloskopie – das Buch ermöglicht eine informiertere, auf Fakten gestützte Abwägung der persönlichen Entscheidung für oder gegen eine Teilnahme. Ferdinand M. Gerlach
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