ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2003Normokaliämischer primärer Hyperaldosteronismus: Aldosteron-Renin-Quotient als Screeningtest

MEDIZIN: Diskussion

Normokaliämischer primärer Hyperaldosteronismus: Aldosteron-Renin-Quotient als Screeningtest

Dtsch Arztebl 2003; 100(25): A-1753 / B-1453 / C-1367

Seifarth, Christian

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LNSLNS Reincke et al. haben in ihrer Darstellung des normokaliämischen primären Hyperaldosteronismus eindrucksvoll die Wahrscheinlichkeit einer sehr viel höheren Prävalenz des Conn-Syndroms, als bislang in den Lehrbüchern angegeben, aufgezeigt. Der letzte Beweis anhand einer Querschnittstudie bei unzweifelhaft nicht vorselektionierten Hypertonikern steht allerdings noch aus. Es ist jedoch das Verdienst der zunehmend durchgeführten Bestimmung des Aldosteron-Renin-Quotienten (ARQ) als Screeningmethode für das Conn-Syndrom, dass in Zukunft wohl mehr Patienten mit „essenzieller“ Hypertonie einer kausalen Therapie zugeführt werden können.
Allerdings ist die Bestimmung des ARQ nicht ganz so unproblematisch wie in dem Artikel von Reincke et al. dargestellt. Zwar ist es richtig, dass der ARQ als Screeningtest für das Conn-Syndrom weder von der oralen Natriumaufnahme noch der Körperposition noch der Tageszeit abhängig ist, dies gilt jedoch nicht für die antihypertensive Vormedikation. Neben Spironolacton müssen Betablocker nämlich vor der Bestimmung des ARQ unbedingt abgesetzt werden, da sie die Spezifität des Tests stark beeinträchtigen. Betablocker supprimieren das Renin, wodurch der ARQ auch bei Patienten, die nicht unter einem Conn-Syndrom leiden, sehr häufig über den Cut-off-Wert ansteigt. Auf diese Weise würde es zu zahlreichen falschpositiven Ergebnissen kommen, wodurch die Bestimmung der ARQ als Screeningmethode nutzlos wird (1). ACE-Hemmer hingegen, obwohl sie das Aldosteron etwas senken, können weiter genommen werden, da die Hemmung des „angiotensin I-converting enzyme“ in der autonomen Aldosteronproduktion beim Conn-Syndrom keine Rolle spielt. Diuretika führen allenfalls zu einem sekundären Hyperaldosteronismus, der die Aussagekraft des ARQ nicht beeinträchtigt. Calciumkanalblocker scheinen den ARQ überhaupt nicht zu beeinflussen.
Es ist daher dringend zu empfehlen vor Bestimmung der ARQ sowohl Betablocker als auch Spironolacton (Störung der Sensitivität) abzusetzen.

Literatur
1. Seifarth C, Trenkel S, Schobel H, Hahn EG, Hensen J: Influence of antihypertensive medication on aldosterone and renin concentration in the differential diagnosis of essential hypertension and primary aldosteronism. Clin Endocrinol (Oxf) 2002; 57: 457–465.

Dr. med. Christian Seifarth
Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg
Medizinische Klinik 1
Ulmenweg 18, 91054 Erlangen

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