ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2003Normokaliämischer primärer Hyperaldosteronismus: Ergänzendes Verfahren – Nebennierenrindenszintigraphie

MEDIZIN: Diskussion

Normokaliämischer primärer Hyperaldosteronismus: Ergänzendes Verfahren – Nebennierenrindenszintigraphie

Dtsch Arztebl 2003; 100(25): A-1753 / B-1453 / C-1367

Henze, E.; Kampen, W. U.

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LNSLNS Die ausführliche Arbeit von Reincke, Seiler und Rump zur Genese, Prävalenz und Diagnostik des primären Hyperaldosteronismus enthält unter anderem einen überaus instruktiven diagnostischen Algorithmus zur Differenzialdiagnose und Abklärung bei entsprechenden Patienten. Bei der Differenzialdiagnose zwischen einem unilateralen, Aldosteron produzierenden Adenom und der bilateralen Hyperplasie der Nebennierenrinde wird der selektiven Katheterisierung mit konsekutiver Analyse des adrenalvenösen Blutes eine zentrale Bedeutung eingeräumt. In der Tat beträgt die diagnostische Genauigkeit der selektiven Venenblutanalyse etwa 95 Prozent, eine erfolgreiche Katheterisierung beider Venen vorausgesetzt (4). Dennoch sollte die Invasivität dieser Untersuchung, die Gefahr einer adrenalen Hämorrhagie oder Infarzierung und die Möglichkeit einer Thromboseinduktion im entsprechenden Gefäß nicht verschwiegen werden. Darüber hinaus ist in einem nicht unerheblichen Teil der Fälle (26 Prozent [3]) mit einer vergeblichen Katheterisierung der Venenäste zu rechnen.
Aufgrund dieser Tatsachen sollte als Ergänzung der von Reincke, Seiler und Rump genannten Verfahren auch die Nebennierenrindenszintigraphie mit Jod-131- oder Selen-75-markiertem Norcholesterol erwähnt werden. Es handelt sich hierbei um ein nuklearmedizinisches, seit mehr als dreißig Jahren bekanntes und entsprechend evaluiertes Verfahren, für das bei der Abklärung des primären Hyperaldosteronismus ebenfalls eine korrekte Lokalisationsdiagnostik in 70 bis 75 Prozent der Fälle publiziert wurde.
Die Nebennierenrindenszintigraphie ist als funktionsorientiertes, bildgebendes Verfahren somit komplementär zur rein morphologisch bildgebenden Diagnostik anzuwenden, wobei im Einzelfall die hiermit verbundene Strahlenbelastung gegen die Risiken der selektiven Venenblutentnahme abgewogen werden sollte (5).

Literatur
1. Beierwaltes WK, Liebermann LM, Ansari AN et al.: Visualization of human adrenal glands in vivo by scintillation scanning. JAMA 1971; 216: 275–277.
2. Kazerooni EA, Sisson JC, Shapiro B et al.: Diagnostic accuracy and pitfalls of [iodine-131]6-beta-iodomethyl-19-norcholesterol (NP-59) imaging. J Nucl Med 1990; 31: 526–534.
3. Kloos RT, Khafagi F, Gross MD, Shapiro B: Adrenal. In: Maisey MN, Britton KE, Collier BD (eds.): Clinical nuclear medicine. London: Chapman and Hall, 3rd edition 1998; 357–380.
4. Young WF, Hogan MJ, Klee GG et al.: Primary aldosteronin: diagnosis and treatment. Mayo Clin Proc 1990; 65: 96–110.
5. Kampen WU: Stellenwert der Nebennierenrinden-Szintigraphie bei der Diagnostik adrenaler Funktionsstörungen. Der Nuklearmediziner 2003, 26: 21–24.

Prof. Dr. med. E. Henze
Dr. med. W. U. Kampen
Klinik für Nuklearmedizin
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Arnold-Heller-Straße 9, 24105 Kiel

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