ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2003Normokaliämischer primärer Hyperaldosteronismus: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Normokaliämischer primärer Hyperaldosteronismus: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2003; 100(25): A-1753 / B-1453 / C-1367

Reincke, Martin; Seiler, Lysann

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LNSLNS Zu Recht merkt Herr Seifarth an, dass der Aldosteron-Renin-Quotient durch die Einnahme von Betablockern (Erhöhung) und Spironolacton (Erniedrigung) beeinflusst wird. In einer eigenen Untersuchung bei 243 Patienten mit essenzieller Hypertonie und 41 Patienten mit Conn-Syndrom konnten wir (4) die erwähnten Ergebnisse von Seifarth et al. (3) bestätigen. Aus diesem Grunde empfehlen wir, wie in unserem Artikel dargestellt, immer die absolute Höhe des Serum-Aldosteron-Werts mit in den Cut-off-Wert des Aldosteron-Renin-Quotienten einzubeziehen. Nur wenn das Serum-Aldosteron im oberen Normbereich liegt, kann von einem begründeten Verdacht auf ein Conn-Syndrom ausgegangen werden. Die Warnung von Herrn Seifarth vor einer unkritischen Anwendung des Aldosteron-Renin-Quotienten kann insofern nur unterstützt werden.
Herr Henze und Herr Kampen weisen auf die aus ihrer Sicht unzureichend berücksichtigte Nebennierenrindenszintigraphie mit Jod-131- oder Selen-51-Norcholesterol hin. Nach unserer Erfahrung spielt die Nebennierenrindenszintigraphie bei der Lokalisation von Aldosteron-produzierenden Adenomen eine untergeordnete Rolle. Die angeblich hohe Treffsicherheit der Methode geht im Wesentlichen auf Veröffentlichungen der Arbeitsgruppe um Shapiro in Ann Arbor zurück. Ähnlich gute Ergebnisse wurden leider in anderen Zentren nicht erhoben. Stattdessen finden sich in der Literatur zahlreiche Hinweise auf eine geringe Sensitivität und Spezifität der Methode (Übersicht bei [2]). In der Arbeit von Glodny et al. wurden sogar nur 2 von 29 Conn-Adenomen richtig lokalisiert (1). Hinzu kommt, dass die Nebennierenrindenszintigraphie zeitaufwendig ist (durch die erforderliche Dexamethason-Vorbehandlung und die Spätaufnahmen beträgt der Untersuchungszeitraum mindestens zehn Tage) und mit einer signifikanten Gonadendosis belastet ist. Aus diesen Gründen sollte die Nebennierenrindenszintigraphie nur dann eingesetzt werden, wenn eine selektive Venenblutentnahme aus den Nebennieren technisch nicht durchführbar ist und mittels biochemischer Testung (Orthostasetest) und Schnittbildverfahren (CT oder MR) eine eindeutige Differenzierung zwischen einseitigem Adenom beziehungsweise bilateraler idiopathischer Hyperplasie nicht möglich ist.

Literatur
1. Glodny B, Kuhle C, Cromme S, Brockmann J, Winde G: An assessment of diagnostic procedures preparatory to retroperitoneoscopic removal of adenoma in cases of primary hyperaldosteronism. Endocr J 2000; 47: 657–665.
2. Mansoor GA, Malchoff CD, Arici MH, Karimeddini MK, Whalen GF: Unilateral, adrenal hyperplasia causing primary aldosteronism: limitations of I-131 norcholesterol scanning. Am J Hypertens 2002; 15: 459–464.
3. Seifarth C, Trenkel S, Schobel H, Hahn EG, Hensen J: Influence of antihypertensive medication on aldosterone and renin concentration in the differential diagnosis of essential hypertension and primary aldosteronism. Clin Endocrinol (Oxf). 2002; 57: 457–465.
4. Seiler L, Wilpert J, Bender B, Rynk A, Reincke M: Does antihypertensive medication influence the aldosterone-renin ratio. Exper Clin Endocrinol Metab 2003; 111 (Suppl 1): 19.

Prof. Dr. med. Martin Reincke
Prof. Dr. med. Lysann Seiler
Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie
Abteilung Innere Medizin 2
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Hugstetterstraße 55, 79106 Freiburg
Prof. Dr. med. Lars C. Rump
Marienhospital Herne, Universitätsklinik
Medizinische Klinik 1, Universität Bochum

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