ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2003Management nichtrupturierter intrakranieller Aneurysmen: ISUIA-Studie gelangt zu anderen Ergebnissen
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LNSLNS Mit großem Interesse habe ich die Vorschläge zum Management nichtrupturierter intrakranieller Aneurysmen gelesen (3). Es handelt sich um eine schöne Um- und Übersetzung der Stellungnahme der amerikanischen Kollegen zum Thema aus dem Jahre 2000 (1). Einige Punkte erscheinen mir jedoch diskussionswürdig.
So wird behauptet, ein nichtrupturiertes Aneurysma, das durch eine Hirnnervenparese oder andere fokale neurologische Symptome auffällig wird, trage ein erhöhtes Rupturrisiko. Unerwähnt bleibt in diesem Zusammenhang jedoch, dass die von den Autoren häufig zitierte ISUIA-Studie an 2 621 Patienten mit nichtrupturierten intrakraniellen Aneurysmen genau diese Konstellation nicht als unabhängigen Prädiktor einer Ruptur identifizieren konnte (2).
Schwer verständlich ist mir ferner die angegebene Komplikationsrate bei der Klippung von Aneurysmen im Gegensatz zur endovaskulären Intervention. Hier wird beispielsweise in einem Absatz behauptet, die Ausschaltung von Aneurysmen im hinteren Kreislauf sei sowohl chirurgisch als auch endovaskulär problematisch – im folgenden Absatz wird dann dargelegt, dass eben diese Aneurysmen bei der endovaskulären Versorgung kein höheres Risiko darstellten, dafür die Aneurysmen der Media-Teilungsstelle ein relativ (?) hohes Behandlungsrisiko aufwiesen.
Die schon erwähnte ISUIA-Studie basiert auf der bisher umfangreichsten und verlässlichsten Datenbasis zum Thema nichtrupturierter Aneurysmen und ihrer Versorgung, zu der auch deutsche Zentren beigetragen haben. Ein klares Ergebnis der Studie, dessen Erwähnung ich in diesem Artikel vermisse, ist das Fehlen einer rationalen Grundlage, nichtrupturierte Aneurysmen von weniger als 1 cm Durchmesser zu operieren, da die Komplikationsrate jedweder Intervention nach wie vor höher als das Risiko einer Ruptur im Spontanverlauf ist. Größere Aneurysmen können auf derselben Grundlage nur bis zu einem Lebensalter von 50 Jahren mit einem realistischen Zugewinn an Lebenserwartung versorgt werden.

Literatur
1. Bederson JB, Awad IA, Wiebers DO, Piepgras D, Haley EC Jr., Brott T, Hademenos G, Chyatte D, Rosenwasse R, Caroselli C: Recommendations for the management of patients with unruptured intracranial aneurysms: A statement for healthcare professionals from the Stroke Council of the American Heart Association. Circulation 2000: 102; 2300–2308.
2. International Study of Unruptured Intracranial Aneurysms Investigators: Unruptured intracranial aneurysms – risk of rupture and risks of surgical intervention. N Engl J Med 1998; 339: 1725–1733.
3. Raabe A, Seifert V, Schmiedek P, Steinmetz H, Bertalanffy H, Steiger HJ, Stolke D, Forsting M: Management nichtrupturierter intrakranieller Aneurysmen. Dtsch Arztebl 2003; 100: A 256–262 [Heft 5].

Prof. Dr. med. Axel Piepgras
Orthopädisch-Neurochirurgische Praxisgemeinschaft
Osterstraße 41–44
31134 Hildesheim

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