ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2003Studieren im Ausland: Erasmus liegt weit vorn

VARIA: Bildung und Erziehung

Studieren im Ausland: Erasmus liegt weit vorn

Dtsch Arztebl 2003; 100(25): A-1758 / B-1458

Merten, Martina

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Rund 17 000 Studenten studierten im vergangenen Jahr mithilfe von Erasmus im Ausland: zum Beispiel an der Sorbonne in Paris. Foto: afp
Rund 17 000 Studenten studierten im vergangenen Jahr mithilfe von Erasmus im Ausland: zum Beispiel an der Sorbonne in Paris. Foto: afp
Zahlreiche Förderprogramme ermöglichen Hochschulabsolventen, ein Auslandssemester einzulegen. Doch die Mobilität der Studierenden ist noch längst nicht so hoch wie gewünscht.

Mobilität wird heutzutage großgeschrieben. Wechsel der Studienorte zählen ebenso dazu wie Praktika und Auslandsaufenthalte. Anspruch und Wirklichkeit klaffen jedoch weit auseinander. Nur 13 Prozent der Hochschulabsolventen verbrachten 2002 einige Zeit im Ausland, 87 Prozent blieben daheim. Mobilität ist zwar erwünscht, an der Umsetzung hapert es aber – noch.
„Mobilitätshemmnisse“ abbauen
Die europäischen Bildungsminister haben sich deshalb schon vor einigen Jahren vorgenommen, so genannte Mobilitätshemmnisse abzubauen. 1999 unterschrieben sie die „Erklärung von Bologna“, deren Ziel es ist, bis 2010 einen europäischen Raum für Hochschulbildung zu schaffen. In der Zwischenzeit wollen sich die Bildungsminister dem europäischen
Hochschulraum schrittweise nähern. So sind zum Beispiel mehr international anerkannte Bachelor- und Masterkurse an Universitäten geplant, ein europäischer Master- und Doktorgrad soll eingeführt und ein Bologna-Studiendokument (europäisches Studienbuch, europäischer Studentenausweis et cetera) entwickelt werden.
Trotz der geringen Zahl an Auslandsaufenthalten steht Deutschland im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn gut da. „Wir liegen an dritter Stelle derer, die Studierende entsenden“, so Dr. Siegberg Wuttig, Leiter der Arbeitstelle der Europäischen Union (EU) beim Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD). An erster Stelle stehen Spanien und Frankreich. Vor allem das EU-Bildungsprogramm Erasmus, das 1987 mit wenigen Universitäten eingeleitet wurde, hat sich Wuttigs Ansicht nach zum Zugpferd unter den Förderprogrammen entwickelt. Studierende aller Fachrichtungen können mit Erasmus zwischen drei und zwölf Monate im europäischen Ausland verbringen und bekommen die dort erbrachten Studienleistungen anerkannt. Das monatliche Fördergeld beträgt zwar nur rund 125 Euro, dafür sind die Hochschulabsolventen jedoch von den ausländischen Studiengebühren befreit. Vor Ort werden sie dann von den Gastinstitutionen über Unterkunft, kulturelle Angebote und Geldangelegenheiten beraten. Allein letztes Jahr waren 17 000 Studierende mit Erasmus im Ausland, im Dezember wurde der millionste Student gefördert. Bei dem überwiegenden Teil der Studierenden handelt es sich um Sprach-, Volks- und Sozialwissenschaftler, Mediziner sind dagegen rar. Grund, so Wuttig, sei das Punktesystem im Medizinstudium, was die Anerkennung der Leistungen rückwirkend schwierig mache. Bis 2010, also dem vorläufigen Ende des Bologna-Prozesses, hat sich die EU ein hohes Ziel gesteckt: „Wir würden gerne auf zwei Millionen Geförderte kommen“, so Wuttig. Für den Leiter der EU-Arbeitstelle ein realistisches Ziel.
Auch andere Programme ermöglichen Studenten Auslandsaufenthalte, keines ist jedoch so beliebt wie Erasmus. Bei dem Programm reicht nämlich schon die Motivation der Studenten, um aufgenommen zu werden, wohingegen andere Angebote gezielt auf Qualität setzen. Gute Noten sind bei den so genannten Teilstipendien des DAAD Grundvoraussetzung für eine Förderung, denn nur die Besten werden genommen. Die Zahl derer, die vergangenes Jahr gefördert wurden, fällt entsprechend kleiner aus. 2 965 Jahresstipendien für Deutsche wurden 2001 vergeben, davon 149 an Studierende/Graduierte aus dem Bereich Humanmedizin.
Wer nicht studieren, sondern Erfahrungen in Form eines Praktikums sammeln möchte, kann auch finanzielle Unterstützung erhalten. Mit dem Programm Leonardo da Vinci ermöglichte die Europäische Union letztes Jahr 1 600 Studenten ein Auslandspraktikum in der Stadt ihrer Wahl; das Fördergeld liegt bei 350 Euro im Monat. Nicht förderbar sind Famulaturen und Arzt-im-Praktikum-Stellen. Es gibt jedoch den Deutschen Famulantenaustausch in Bonn, der sich unter anderem mit der Organisation von Auslandspraktika befasst.
Damit nicht nur deutsche und europäische Studenten mobiler werden, sondern auch die aus Drittländern, hat sich die EU etwas Neues einfallen lassen: Erasmus World. Angeboten werden sollen europäische Masterkurse, die sich an Studenten aus aller Welt richten. Noch wird das viel versprechende Programm von den EU-Bildungsministern beraten. Martina Merten

Informationen

Förderprogramme für Auslandssemester:
http://europa.eu.int/comm/education/ erasmus_de.html;
www.daad.de

Europäische Bildungspolitik, Bildungssystemvergleich und Anerkennung von Bildungsabschlüssen:
http://europa.eu.int/scadplus/leg/de/cha/c10101.htm;
www.dipf.de/datenbanken.htm; http://citizens.eu.int/;
http://europa.eu.int/comm/internal_market/en/qualifications/ guidede.pdf

Bologna-Prozess:
www.bologna-berlin2003.de

Auslandspraktika:
http://europa.eu.int/comm/education/leonardo.html;
Deutscher Famulantenaustausch e.V. (dfa), Godesberger Allee 54, 53175 Bonn, Telefon: 02 28/37 53 40;
www.dfa-germany.de/index2.htm;
Marburger Bund-Auslandsabteilung, Wally Esch/Kerstin Homann, Riehler Strasse 6, 50668 Köln,
Telefon: 02 21/9 73 16 80
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