ArchivDeutsches Ärzteblatt25/20033. Bundeskongress Katholische Schulen: Werte und Sinn vermitteln

VARIA: Bildung und Erziehung

3. Bundeskongress Katholische Schulen: Werte und Sinn vermitteln

Bühring, Petra

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LNSLNS Katholische Schulen verzeichnen einen höheren Zulauf, als sie bewältigen können. Gründe für die Attraktivität der Schulen

Warum sind katholische Schulen nicht nur bei Eltern katholischen Glaubens so beliebt, dass die Nachfrage nach einem Platz im Bundesdurchschnitt über 30 Prozent der verfügbaren Plätze liegt? An den sehr guten Ergebnissen in der PISA-Studie allein kann es nicht liegen, denn die Plätze waren auch schon vorher begehrt. Für Bundestagspräsident Wolfgang Thierse liegt das Erfolgsgeheimnis darin begründet, dass katholische Schulen sich „nicht am Zeitgeist, sondern an Grundsätzen orientieren – Werte und Sinnkompetenz vermitteln, statt reine Sachkompetenz“, erklärte er beim 3. Bundeskongress Katholische Schule, den die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) in Bonn veranstaltete. Besonders schätzten die Eltern das Konzept der „Erziehungsgemeinschaft“, sagte Weihbischof Engelbert Siebler, Vorsitzender der bischöflichen Kommission für Erziehung und Schule. Der Begriff – unter dessen Motto der Kongress stand – meint, dass Eltern, Lehrer und Schüler gemeinsam am Schulleben teilnehmen, mitverantwortlich sind und mitbestimmen können. Die katholische Schule bilde so eine Schulkultur aus, die die Eigenverantwortung und Eigeninitiative der Schüler prägt.
Die Zahl der Schüler an katholischen Schulen hat nach Angaben der DBK in diesem Jahr den Höchststand von 370 000 erreicht. Diese verteilen sich auf alle Schulformen; die meisten Schüler (165 580) besuchen ein Gymnasium. Insgesamt sind dies zwar nur drei Prozent aller Schüler, jedoch mehr als 50 Prozent der Schulen in freier Trägerschaft. Katholische Schulen sind Angebotsschulen: Sie bieten eine Alternative zu staatlichen Schulen, unterstehen aber der staatlichen Schulaufsicht. Sie verfügen über eine höhere administrative und pädagogische Selbstständigkeit. Offenbar ist das Angebot der diversen Schulträger wie Orden, Diözesen, Stiftungen oder Kirchengemeinden für viele Eltern attraktiv. Denn katholische Schulen legen nicht nur „auf Unterrichtsqualität größten Wert“, wie Kardinal Karl Lehmann, Vorsitzender der DBK, sagte, wichtig ist auch „die Entwicklung der Persönlichkeit und des sozialen Verhaltens“.
Soziale Verantwortung übernehmen
Soziale Verantwortung zu übernehmen – im Sinne der christlichen Tradition – lernen die Schüler in sozialen Projekten, zum Beispiel durch Praktika in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Hospizen. Auch durch internationale Schulpartnerschaften, Engagement oder Patenschaften in Entwicklungshilfeprojekten in Afrika, Asien und Lateinamerika lernen Heranwachsende in größeren Zusammenhängen zu denken.
Die Attraktivität katholischer Schulen liegt sicherlich auch an der langen Zeit guter finanzieller Ausstattung der katholischen Kirche. Doch angesichts der Wirtschaftslage und der hohen Arbeitslosigkeit fällt auch das Kirchensteueraufkommen niedriger aus, was zu Sparmaßnahmen zwingt, „die auch die Schulen treffen können“, befürchtet Lehmann. In Westdeutschland werden jedenfalls aufgrund der Finanzknappheit keine neue Schulen mehr entstehen; in den neuen Bundesländern wird es Neugründungen geben – die Kirche sieht dort Nachholbedarf (Grafik).
Ganztagsschulen freiwillig und subsidiär
Stellung bezog die Deutsche Bischofskonferenz auch zu einem aktuellen bildungspolitischen Thema: dem Ausbau von Ganztagsschulen. Zur Erinnerung: Bis zum Jahr 2007 stellt die Bundesregierung hierfür vier Milliarden Euro zur Verfügung. Ganztagsangebote müssen nach Ansicht der Bischöfe „freiwillig, subsidiär und vielfältig“ sein. Auf keinen Fall dürfe mit der Ganztagsschule als Regelschule, den Familien die Erziehung ihrer Kinder entzogen und dem Staat ausschließlich übertragen werden. Als Ergänzung zur Halbtagsschule ermögliche sie jedoch die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Grundsätzlich sehen die Bischöfe jedoch die Eltern als „die ersten und bevorzugten Erzieher ihrer Kinder“ an. Doch die „schwindende Erziehungsbereitschaft“ dürften Staat und Kirche nicht ignorieren, sondern müssten vielfältige Angebote mit pädagogischem Konzept schaffen. Die katholische Kirche habe daher in einigen Bundesländern Kooperationsvereinbarungen getroffen und halte ein „hohes und differenziertes Ganztagsangebot“ bereit. Das wird den Zulauf auf die Plätze künftig wahrscheinlich noch verstärken. Petra Bühring
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