ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2003Streptokokken-Infektion: Immunreaktion führt zu Kollagen-Abbau

AKTUELL: Akut

Streptokokken-Infektion: Immunreaktion führt zu Kollagen-Abbau

Dtsch Arztebl 2003; 100(26): A-1773 / B-1473 / C-1381

EB

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LNSLNS Warum das Bakterium Streptococcus pyogenes lebensbedrohliche Herzkrankheiten auslösen kann, war in der Wissenschaft lange umstritten. Wissenschaftler der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig bieten in der Fachzeitschrift „The Journal of Clinical Investigation“ [2003; 111 (12): 1905–1912] eine Erklärung: Beim Eindringen in den menschlichen Körper heften sich manche Typen des Erregers an das allgegenwärtige Stütz- und Verknüpfungsmolekül Kollagen. Durch diese Bindung verändert Streptococcus pyogenes die Struktur des Kollagens, sodass es vom menschlichen Immunsystem als Fremdmaterial erachtet wird. Die Folge: Das Immunsystem produziert Antikörper gegen einen der wichtigsten Bestandteile des eigenen Körpers und zerstört ihn. In diesem Mechanismus vermuten Dr. Susanne Talay, Dr. Katrin Dinkla und Dr. Manfred Rohde die Ursache der akuten rheumatischen Herzerkrankung. „Gerade die aggressiven
Streptokokken-Stämme, die solche Herzschäden auslösen können, heften sich an das Kollagen Typ IV“, erklärt Talay. Das Kollagen Typ IV, das zu den nichtfibrillären Kollagenen gehört, zeichnet sich durch die Bildung von Netzwerken aus (Lamina densa der Basalmembran).

Streptokokken-Infektionen sind ein unterschätztes Gesundheitsproblem“, erklärt Prof. Singh Chhatwal, Leiter der Abteilung Pathogenität und Impfstoffforschung an der GBF. Jedes Jahr infizieren sich weltweit rund 40 Millionen Menschen mit dem Keim. Häufige Krankheitsbilder sind Scharlach, Hals- und Mandelentzündungen sowie – besonders gefährlich – das akute rheumatische Fieber, das zu schweren Entzündungen in Herz, Gelenken, Haut und Nervengewebe führt.

Während solche Infektionen in Industrienationen meist rechtzeitig und gründlich behandelt werden, enden sie in Entwicklungsländern mangels medizinischer Versorgung oft tödlich. „Es ist allgemein wenig bekannt, aber das akute rheumatische Fieber ist bei Menschen unter 50 Jahren weltweit die häufigste Ursache für tödliche Herzerkrankungen“, erklärt Chhatwal. Mit ihren Untersuchungen hoffen die GBF-Wissenschaftler, die Basis für die Entwicklung eines Schnelltests geliefert zu haben. Bei Streptokokken-infizierten Kindern müsse man dann nur prüfen, ob der Erreger Kollagen binden kann. Im positiven Fall könnten zur Vermeidung von Spätschäden sofort Antibiotika eingesetzt werden. EB
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