ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2003Reform des Medizinstudiums: Mängel der Novelle

POLITIK: Kommentar

Reform des Medizinstudiums: Mängel der Novelle

Dtsch Arztebl 2003; 100(26): A-1778 / B-1478 / C-1386

Schulze, Johannes

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Fehler eines Gesetzes werden erst bei der Anwendung sichtbar. Dies gilt auch für die neue Approbationsordnung für Ärzte (AO), die seit dem 3. Juli 2002 in Kraft ist und umgesetzt werden muss. Im Vorfeld wurde heftig über das „Hammerexamen“ und die Abschaffung des Arztes im Praktikum diskutiert. Die neuen Querschnittsbereiche und Wahlfächer sind eine „Kreation“ der neuen Studienordnung. Die Umsetzung der Approbationsordnung in einen Stundenplan zeigt weitere Fallstricke, insbesondere bei den Übergangsregelungen, den benoteten Scheinen sowie dem Inhalt des neuen ersten Staatsexamens.
Übergangsregelungen (§ 43): Diese sind auf den ersten Blick klar. Die Konsequenz ist, dass de facto alle Studierenden, die noch kein Physikum abgelegt haben, nach der neuen AO geprüft und damit auch ausgebildet werden müssen. Die Studierenden des ersten klinischen Semesters im Sommersemester 2003 benötigen spätestens ab dem dritten klinischen Semester die neuen Scheine und werden ab dem Prüfungstermin Frühjahr 2007 das „Hammerexamen“ ablegen wollen. Etliche ältere Studierende wollen auch nach den neuen Bestimmungen geprüft werden: Diese können schon früher zum zweiten Staatsexamen der neuen AO antreten.
Benotete Scheine (§ 27): Im klinischen Studium werden bis zu 28 Scheine mit 34 Einzelnoten gefordert und in das Prüfungszeugnis übernommen. Derzeit werden etliche bis viele Fächer der Klinik gar nicht geprüft. Jetzt müssen fünf bis sechs Fachprüfungen am Ende eines jeden Semesters abgelegt werden. Wie soll das gemacht werden, ohne die letzten drei der 14 Semesterwochen mit Prüfungen zuzupflastern? Können so viele Studierende mündlich geprüft werden? Wohl nicht! Wollen die Fakultäten viele kleine Multiple-Choice-Prüfungen? Dies ist nicht förderlich. Soll das Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen diese Prüfungen als Dienstleistung übernehmen?
Inhalt des neuen ersten Staatsexamens (§ 2 erster Abschnitt, § 22 Anhang 10): Durch die Hintertür des Anhangs werden Teile des bisherigen „Ersten Abschnitts“ zum Prüfungsstoff des ersten Staatsexamens erklärt. Wann werden diese gelehrt? Wer soll die Prüfung abnehmen? Erst der Anhang verdeutlicht, warum es im neuen klinischen Abschnitt keinen Untersuchungskurs mehr gibt, keine Propädeutik oder Pathophysiologie. Soll dies entfallen? Das neue erste Staatsexamen wird erst ab dem Herbst 2005 durchgeführt. Müssen die Jahrgänge dazwischen nicht mehr untersuchen können?
Die Probleme der Approbationsordnung werden die Fakultäten ausbaden müssen. Zu befürchten ist, dass durch den sehr engen Zeitrahmen viele neue Studienordnungen nur dem Buchstaben des Gesetzes Genüge tun. Es ist notwendig, folgende Fragen zu klären: Wie werden Querschnittsbereiche und Wahlfach angeboten und inhaltlich ausgestaltet? – Was geschieht mit den Studierenden, die zum Sommersemester in die Klinik eintreten, sowie mit den Studierenden, die bereits in der Klinik sind, aber kein altes erstes Staatsexamen ablegen und nach der neuen AO geprüft werden wollen? – Wie sollen die Noten vergeben werden, soll neben der Theorie auch Praxis geprüft werden? – Wie werden die „Waisen“ der neuen Approbationsordnung (Untersuchungskurs, Pathophysiologie und andere) behandelt, müssen auch die Vorklinik sowie das neue erste Staatsexamen neu strukturiert werden? Priv.-Doz. Dr. med. Johannes Schulze
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema