ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2003Kassenärztliche Bedarfsplanung: Bedrohlicher Mangel an Hausärzten

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Kassenärztliche Bedarfsplanung: Bedrohlicher Mangel an Hausärzten

Dtsch Arztebl 2003; 100(26): A-1788 / B-1486 / C-1394

Kopetsch, Thomas

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LNSLNS Während Fachärzte kaum noch Niederlassungschancen haben, zeichnen sich bei den Hausärzten bereits Tendenzen zur Unterversorgung ab – vor allem in den neuen Bundesländern.

An den Bedarfsplanungs-Richtlinien wurden im Jahre 2002 nur marginale Änderungen vorgenommen, die keine gravierenden Auswirkungen hatten. Zu Beginn des Jahres 2003 stellt sich die Versorgungssituation wie folgt dar:
Die Zahl der offenen Planungsbereiche ist von 18,3 auf 16,9 Prozent zurückgegangen. Dabei hat sich bei neun Arztgruppen die Zahl der offenen Planungsbereiche verringert, bei zwei Arztgruppen gab es keine Veränderung und bei zwei weiteren Arztgruppen, den Hausärzten und Kinderärzten, hat sich die Zahl der offenen Planungsbereiche erhöht (siehe Tabelle 1).
In der hausärztlichen Versorgung sind die offenen Planungsbereiche von bisher bereits 64 Prozent auf 66 Prozent gestiegen. Damit stehen bundesweit 269 von 406 Planungsbereiche für die Niederlassung von neuen Hausärzten offen. In absoluten Zahlen ausgedrückt: 2 492 Hausärzte können sich noch niederlassen, davon 653 in den neuen Bundesländern. Im vergangenen Jahr waren es 2 430, davon 626 im Osten.
Ausnahme Psychotherapeuten
Aus diesen Zahlen folgt: Hausärzte haben faktisch Niederlassungsfreiheit, während es bei nahezu alle Facharztgruppen, die der Bedarfsplanung unterliegen, Niederlassungssperren wegen Überversorgung gibt. Eine Ausnahme bilden die ärztlichen Psychotherapeuten. Für sie sieht das Gesetz (Paragraph 101 Absatz 4 SGB V) eine Mindestquote von 40 Prozent vor. Daraus ergeben sich rechnerisch Niederlassungsmöglichkeiten für 2 201 ärztliche Psychotherapeuten. Ebenfalls gute Chancen auf eine Niederlassung am Ort der Wahl haben Anästhesisten: Für sie stehen noch 116 Planungsbereiche offen.
So positiv die Niederlassungsmöglichkeiten für Hausärzte aus Sicht der niederlassungswilligen Ärzte zunächst scheinen mögen, diese Entwicklung hat einen Besorgnis erregenden Hintergrund. Die Entsperrung weiterer Planungsbereiche für die Hausärzte ist Folge der in der Studie zur Altersstruktur- und Arztzahlentwicklung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Bundes­ärzte­kammer beschriebenen Überalterung der Hausärzte, insbesondere in den neuen Bundesländern. Zugleich bleibt der medizinische Nachwuchs in der erforderlichen Größenordnung aus.
Schon jetzt ist in 16 Planungbereichen die tatsächliche Versorgung mit Hausärzten unter die 90-Prozent-Grenze gefallen. In den neuen Bundesländern steht ein Planungsbereich kurz vor dem Erreichen der rechnerischen Unterversorgungsgrenze von 75 Prozent. Überversorgte Gebiete gibt es hingegen kaum noch. In Sachsen-Anhalt beispielsweise sind nur noch Magdeburg und Halle wegen Überversorgung gesperrt, in Mecklenburg-Vorpommern trifft dies noch für Rostock und den Landkreis Demmin zu.
Folgen für die Versorgung
In den neuen Bundesländern setzt nun unverkennbar die Entwicklung in der hausärztlichen Versorgung ein, die in der Studie prognostiziert worden ist: Der Mangel an Hausärzten dürfte nicht ohne Folgen für die medizinische Versorgung der dortigen Bevölkerung bleiben. Dr. rer. pol. Thomas Kopetsch
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