ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2003Krankenhauskonzerne: Gute Umsatzerwartungen, rasche Marktanpassung

THEMEN DER ZEIT

Krankenhauskonzerne: Gute Umsatzerwartungen, rasche Marktanpassung

Dtsch Arztebl 2003; 100(26): A-1794 / B-1492 / C-1400

Clade, Harald

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Während sich in der Krankenhauswirtschaft eine Unternehmenskonzentration, Fusionen und Übernahmen sowie Betriebsaufgaben abzeichnen, sind die meisten der börsennotierten Klinikkonzerne und die als GmbH geführten privaten Klinikkettenbetriebe im Markt gut etabliert.

Die privaten Klinikketten – sowohl die sieben börsennotierten Krankenhauskonzerne als auch die zumeist in der Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) geführten Klinikkonzerne – haben sich trotz der sich verschlechternden Rahmenbedingungen am Markt etabliert. Sie haben ausweislich der Geschäftsberichte beachtliche Umsatzsteigerungen und Markterfolge erzielt. Während sonst die Branche durch staatlich verordneten Bettenabbau, Schließung von Abteilungen und ganzen Krankenhäusern massiv bedroht ist und infolge des Paradigmenwandels in der Klinikfinanzierung (Diagnosis Related Groups) einen zunehmenden Wettbewerbs- und Leistungsdruck verspürt, prosperieren die meisten privaten Klinikkonzerne und -ketten. Das ist so, weil sie auf ihren größenbedingten Wettbewerbsvorteilen aufbauen können. Sowohl in der Akutmedizin als auch in der Rehabilitation und Pflege haben die Klinikketten Marktsegmente besetzt, bei denen die oftmals solitärwirtschaftlich betriebenen Krankenhäuser in kommunaler, freigemeinnütziger und privater Trägerschaft ihnen kaum Paroli bieten können. Hinzu kommt: Private Klinikkettenbetriebe verfügen zumeist über eine kostenoptimale Betriebsgröße, profitieren von den Synergie-Effekten eines meistens regionalisierten Klinikmanagements, eines straffen Controllings und eines auf dem Know-how von branchenerfahrenen Managern aufbauenden Betriebsführungsstils, der auch unkonventionelle Wege zulässt. Sie folgen oftmals dem Aldi-Prinzip.
Die Krankenhauskonzerne weisen hinsichtlich ihrer Rechtsform, ihrer Entstehungsgeschichte, der Unternehmensziele und der Managementstrategien sowie der Marktbesetzung erhebliche Unterschiede auf. Sie sind daher in mancher Hinsicht nur schwer vergleichbar.
Als Erfolg versprechende Faktoren sind zu nennen: Synergie-Effekte, Rationalisierungseffekte und Verbundvorteile, die sich aus einer Konzernstruktur mit straffer Organisation und Gliederung und der zumeist zentral eingerichteten Konzernleitung ergeben. Andererseits lässt sich in Klinikkonzernen und -ketten erfahrungsgemäß die Prozessorganisation, die innere und äußere Struktur, besser normen und standardisieren und sowohl in der Leistungserstellung, bei der Unternehmenszielerreichung, bei der Kapazitätsbereitstellung und der Zentralisierung oder beim Outsourcing bestimmter Leistungserstellungsprozesse leichter steuern als in Solitärbetrieben oder im Krankenhaus „um die Ecke“. Insofern sind diese produktions- und kostenorientierten Erfolgsfaktoren, die Prozess- und Aufbauorganisation, originäre Produktionsfaktoren neben den
traditionellen Faktoren Kapital, Arbeit und Boden.
Die jüngste Entwicklungsgeschichte der privaten Klinikkonzerne und GmbH-Klinikketten lässt erkennen, dass sich erwerbswirtschaftlich betriebene Krankenhausverbundbetriebe schneller auf sich ändernde Marktkonstellationen einstellen und auch in der Vertragspolitik flexibler sind.
Ein Blick in die Gesundheits- und Krankenhausfachpresse ebenso wie in den Wirtschaftsteil von Tageszeitungen und Wirtschaftsfachmagazinen verstärkt den Eindruck, dass sich Branchenanalysten und externe gesundheitspolitische Beobachter zumeist auf die börsennotierten Klinikkonzerne konzentrieren, als da sind: Rhön Klinikum AG, Eifelhöhen-Klinik AG, Marseille-Kliniken AG, Curanum AG, Maternus-Kliniken AG, MediClin AG, Refugium AG und Euromed AG. Das Fokussieren auf die Aktiengesellschaften kann aber zu Fehlschlüssen und zu unvollständigen Marktanalysen führen, wenn nicht auch die umsatzstarken und ebenso expansiven Konzerne in der Rechtsform der GmbH einbezogen werden. Zu nennen sind hier die Paracelsus-Kliniken Deutschland GmbH, die Sana-Klinikengesellschaft mbH, die Unternehmensgruppe Damp, Fresenius, Medica, Augustinum, Helios-Kliniken GmbH, Asklepios-Kliniken GmbH und andere.
Auch muss bei einer Analyse der Branche unterschieden werden, ob sich die Kette oder der Konzern auf die Akutmedizin konzentriert, den Schwerpunkt in der Rehabilitation oder Pflege gesetzt hat oder aber alle drei Geschäftsfelder abgedeckt werden. Ein Schlaglicht auf einige typische Beispiele.
Rhön-Klinikum: Branchenführer
Teilweise Umsatzsteigerungen bis zu 30 Prozent je Jahr meldeten in den letzten Jahren die Rhön-Klinikum AG, Bad Neustadt/ Saale (Thüringen). Rhön meldet für das Geschäftsjahr 2002 eine Umsatzsteigerung von 26,2 Prozent und einen Konzerngewinn in Höhe von 67,4 Milliarden Euro, der um zwei Prozent über dem Vorjahresergebnis liegt. Der Konzernumsatz stieg von 679 Millionen Euro auf 879,5 Millionen Euro im Jahr 2002. Die Eigenkapitalrendite liegt bei 16,8 Prozent (2002).
Die Rhön-Klinikum AG ging 1988 durch Umwandlung aus der Rhön-Klinikum GmbH hervor und notierte bereits 1989 als erster deutscher Klinikkonzern an der Börse. Zum Konzern zählen inzwischen 28 Kliniken mit mehr als 8 000 Betten; Rhön beschäftigte per März dieses Jahres 13 005 Mitarbeiter. Der Konzern konzentriert sich traditionell auf die Akutversorgung. Die Kapazitätsauslastung liegt mit 94 Prozent im stationären Bereich über dem Branchendurchschnitt. Die Haupt­ver­samm­lung am 7. Mai 2003 beschloss eine rund 20-prozentige Erhöhung der Dividende; dies entspricht 0,58 (2001: 0,48) Euro je Stammaktie und 0,60 (2001: 0,50) Euro je stimmrechtsloser Vorzugsaktie.
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Eifelhöhen-Klinik: Diversifizierung
Die Eifelhöhen-Klinik AG (EHK), Bonn, ein Klinikkonzern, der die Geschäftsfelder Akutmedizin, Rehabilitation und Altenpflege abdeckt, schreibt seit vier Jahren wieder schwarze Zahlen. 1997 wurde noch ein Fehlbetrag von 6,685 Millionen DM ausgewiesen. Für das Geschäftsjahr 2002 meldet der Geschäftsbericht einen Konzernjahres-überschuss in Höhe von mehr als 1,5 Millionen Euro (Vorjahr: 1,86 Millionen Euro). Dieser liegt über den Gewinnprognosen, die mit 1,2 Millionen Euro angegeben werden. Das vor sechs Jahren neu berufene Klinikmanagement hat das Konzept des Konzerns strategisch neu ausgerichtet und durch Beteiligung und Übernahme zwei Kliniken und eine ambulante Rehabilitationseinrichtung hinzuerworben. Allerdings sind die Anlaufverluste der im Jahr 2001 übernommenen Reha Düsseldorf GmbH noch erheblich. Der Jahresfehlbetrag in Düsseldorf betrug im Jahr 2001 1,074 Millionen Euro.
Das Stammhaus des Konzerns in Marmagen/Eifel konzentriert sich traditionell seit Gründung des Konzerns (1976) auf die Anschlussrehabilitation. Die Zahl der Fälle verringerte sich im Jahr 2002 geringfügig von 4 269 auf 4 187. Die Belegung verringerte sich von 107 911 auf 105 942 Pflegetage. Das Betriebsergebnis im Stammhaus liegt leicht über dem Vorjahresergebnis. Die Kaiser-Karl-Klinik GmbH an der Graurheindorfer Straße in Bonn (124 Betten) hat inzwischen die Kapazitätsgrenze erreicht. Hier hat sich die Fallzahl von 1 860 auf 1 900 erhöht. Allerdings ist infolge der inflationsbedingten Kostensteigerung und der gedeckelten Pflegesätze das Ergebnis leicht rückläufig. Die 2002 erworbene Aatalklinik, Bad Wünnenberg (Nordrhein-Westfalen), schreibt schwarze Zahlen und liegt über den Ertragsprognosen. Das vor zwei Jahren zusammen mit der Neuen Pergamon er-
worbene Krankenhaus Wetter/Ruhr GmbH weist ein ausgeglichenes Ergebnis aus. Für das Jahr 2003 wird ein Konzernüberschuss zwischen einer Million und 1,5 Millionen Euro erwartet. Die EHK-Aktie ist nach Einschätzung von Branchenanalysten zurzeit unterbewertet.
Marseille-Kliniken: Schwerpunkt Pflege
Die Marseille-Kliniken AG, Berlin, strebt eine Marktführerschaft in der Altenpflege an. Hingegen will sich der Konzern, an welchem die Familie Ulrich Marseille 75 Prozent der Anteile hält, kurzfristig von den Rehabilitationskliniken trennen. Die 1984 gegründete AG mit Sitz in Berlin (früher Hamburg) betreibt zurzeit bundesweit 45 Einrichtungen mit 5 300 Betten. Bis Ende 2004 will die Klinikleitung den Konzernumbau und die neue Ausrichtung abgeschlossen haben. Nach Aussagen des neu amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden, Ulrich Marseille, sollen die elf Reha-Kliniken (1 800 Betten) verkauft und der Erlös für den Umbau investiert werden, aber auch Überkreuzbeteiligungen seien denkbar. In den ersten sechs Monaten des am 1. Juli 2002 begonnenen neuen Geschäftsjahres ist lediglich der Bereich Pflege gewachsen. Zu dem Gesamtumsatz im Jahr 2001/02 in Höhe von rund 181 Millionen Euro steuerte der Pflegesektor 115 Millionen Euro bei. Der Umsatz im Sektor Pflege stieg in den letzten sechs Monaten um 7,2 Prozent.
SRH-Kliniken: Integrierte Versorgung
Auf Expansionskurs liegt auch die SRH-Kliniken AG, im August 2001 vom Alleinaktionär, der SRH Holding, Stiftung des bürgerlichen Rechts, Heidelberg, gegründet. Die SRH Holding setzte bisher auf Diversifizierung auf unterschiedlichen Dienstleistungssektoren. Die Holding hat einen Schwerpunkt im Sektor der beruflichen Bildung und der Gesund­heits­förder­ung.
Zu den bislang sechs SRH-Kliniken mit Standorten in Baden-Württemberg und Thüringen kommen ab Juli des Jahres zahlreiche, teils große Einrichtungen hinzu. Die jüngsten Neuakquisitionen der SRH-Kliniken AG mit Sitz in Heidelberg erweitern das bisherige Netzwerk erheblich: Neu im SRH-Leistungsverbund sind das Waldklinikum Gera gGmbH, ein Haus der Maximal- versorgung mit rund 1 100 Betten in Thüringen sowie die Sanitas-Gruppe, die mit 11 Einrichtungen überwiegend in der Rehabilitation tätig ist.
Mit dem Erwerb des Waldklinikums Gera und der Sanitas-Gruppe setzt die SRH-Kliniken AG ihren Wachstumskurs fort. Bereits in 2002 wurden zu 75 Prozent die Anteile am Gesundheitszentrum Bad Wimpfen erworben. Gleichzeitig kommt die Unternehmensleitung in ihrer Strategie, regionale Schwerpunkte mit integrierten Versorgungskonzepten herauszubilden, große Schritte weiter. Die bisher besetzten sechs Geschäftsfelder stationäre Akutbehandlung, stationäre Rehabilitation, ambulante Behandlung, ambulante Rehabilitation, Prävention und Pflege werden weiterhin ausgebaut und zu ganzheitlichen Leistungen verknüpft. Für das Geschäftsjahr 2006 strebt der Konzern an, zu den sechs stärksten privaten Klinikunternehmen und Gesundheitsdienstleistungszentren zu zählen. In mindestens drei Regionen sollen bis dahin Gesundheitszentren etabliert sein.
Die SRH-Kliniken AG kann mit den Neuerwerben ihre Bettenkapazität von bisher rund 1 800 Betten mehr als verdreifachen. Sämtliche Fachdisziplinen werden in Hauptabteilungen – einschließlich der Strahlen- und Nuklearmedizin – abgedeckt. In den SRH-Krankenhäusern wurden in 2002 rund 96 000 Patienten stationär und ambulant behandelt. Mit rund 3 000 Mitarbeitern erzielte der Klinikkonzern einen Gesamtumsatz von 221,3 Millionen Euro.
MediClin: In den roten Zahlen
Die MediClin AG, Frankfurt/Main, zählt mit einem Jahresumsatz von mehr als 370 Millionen Euro (2002) zu den zehn größten privaten Klinikbetreibern in Deutschland. Zwei Drittel des Umsatzes entfallen allerdings auf den Bereich Rehabilitation. Der Klinikkonzern wurde 1996 gegründet und ging Ende 2000 an die Börse. Zur Gesellschaft zählen zurzeit 44 Klinikbetriebe mit mehr als 9 000 Betten. Die AG unterhält Trägerschaften, Beteiligungen und Management-Verträge. Mit dem Erwerb der Hurrle-Klinikgruppe im Jahr 1998 vollzog
MediClin AG die bis damals größte Übernahme einer Klinikgruppe.
Erstmals rutschte der Klinikkonzern im Geschäftsjahr 2002 in die Verlustzone. Nach einem Überschuss von 8,9 Millionen Euro im Jahr 2001 wies das Unternehmen für 2002 einen Fehlbetrag von 13,5 Millionen Euro aus. Die Eigenkapitalquote schrumpfte von knapp 36 Prozent auf 30 Prozent. Trotzdem beschloss die Haupt­ver­samm­lung im April die Ausschüttung einer Dividende von 0,10 Euro je Aktie (Vorjahr: 0,15 Euro je Aktie).
Das Klinikmanagement führt das negative Geschäftsergebnis auf die Konjunkturanfälligkeit vor allem im Sektor Rehabilitation, die zu niedrige Auslastung und Sondereinflüsse zurück. Die Auslastung der Reha-Einrichtungen lag bei 79,3 Prozent (Vorjahr: 83,9 Prozent), in den Krankenhäusern bei 78,7 Prozent (Vorjahr: 77,8 Prozent).
Für das Geschäftsjahr 2003 erwartet der Vorstand ein moderates Umsatzwachstum – bei allerdings deutlich verbesserter Ertragsstruktur. Geplant ist die Akquisition im Akutkliniksektor. Die Unternehmensstrategie verfolgt als segment- und indikationsübergreifender Komplettanbieter, die gesamte Behandlungskette abzudecken.
Paracelsus-Kliniken: Pionier der Praxiskliniken
Die Paracelsus-Kliniken-Deutschland GmbH, Hauptverwaltung: Osnabrück, zählt zu den größten privaten Klinikträgern in Deutschland. Der Klinikkonzern wurde 1968 in Osnabrück von dem Firmengründer und damaligen Alleininhaber und Radiologen Prof. Dr. med. Hartmut Krukemeyer gegründet und im Februar 1970 als Praxisklinik eröffnet. Krukemeyer gilt als Pionier der Praxiskliniken in Deutschland. Das Modell, das gesundheitspolitisch unter anderem vom damaligen Bundes­ärzte­kammerpräsidenten, Prof. Dr. med. Dr. h. c. Ernst Fromm, und dem damaligen Hauptgeschäftsführer des Chefarztverbandes, Dr. med. Karl Jeute, konzipiert und gesundheitspolitisch propagiert wurde, vereinigt zum Teil hoch spezialisierte Facharztpraxen zusammen mit klinikanhängigen und stationären Betteneinheiten sowie einer Zentralapotheke und ergänzenden Einrichtungen unter einem Dach. Dieses Konzept der Praxiskliniken verfolgt konsequent die Integration von stationärer und ambulanter Versorgung und einer durchgehenden personalen Versorgung durch den behandelnden, freiberuflich tätigen Arzt im Zusammenhang mit einer räumlichen Konzentration an einem Ort. Nach diesem Konzept wurde die neu errichtete Paracelsus-Klinik in Bad Ems konzipiert und bis heute erfolgreich betrieben.
Inzwischen gehören zur Paracelsus-Klinikengruppe Deutschland 18 Akutkrankenhäuser sowie 12 Rehabilitationskliniken. Außerdem ist der Konzern an Krankenhäusern und Kliniken im Ausland bei weiteren 16 Häusern beteiligt.
Paracelsus setzte konsequent auf die Übernahme und Privatisierung ehemals in kommunaler und freige-meinnütziger Trägerschaft betriebener Krankenhäuser.
Der Klinikkonzern verfügt über Standorte in allen Bundesländern. In der Hochkonjunktur und der expansiven Entwicklungsphase von Paracelsus verfügte der Konzern über weltweit 51 Krankenhäuser, darunter auch eine inzwischen veräußerte Klinikkette in den USA.
Zum 30. August 1997 wurden nach dem Tod des Firmengründers und Alleininhabers die Klinikengruppe in die Firma Paracelsus-Kliniken-Deutschland GmbH, Osnabrück, umgewandelt, eine der Größe des Unternehmens angemessene Rechtsform.
Paracelsus praktiziert in allen Akutkrankenhäusern einen dezentralen Führungsstil. Dem drei Mitglieder zählenden Führungsteam gehören der Verwaltungsdirektor, der Ärztliche Direktor und die Leitende Pflegekraft an, die weitgehend eigenverantwortlich für das operative Geschäft der Kliniken zuständig ist – allerdings nach strategischen Grundsätzen und Führungskonzepten des Headquarters in Osnabrück.
Heute beschäftigen die Paracelsus-Kliniken-Deutschland mehr als 4 000 Mitarbeiter, davon rund 250 Beschäftigte in der Ausbildung.
Paracelsus zählt auch zu den Pionieren bei der Anwendung von diagnosebezogenen Fallpauschalen. Dieses Finanzierungs- und Abrechnungssystem hat Paracelsus Anfang der Achtzigerjahre in ihrem Krankenhaus in Hemer/Westfalen probeweise eingeführt.
Sana-Kliniken: Gründung der privaten Kran­ken­ver­siche­rung
Zu den umsatzstarken Klinikkonzernen zählt inzwischen die Sana-Kliniken Gesellschaft mbH, München. Mit einem verantworteten Umsatz von mehr als 1,8 Milliarden Euro (2002) zählt sie zu den 50 umsatzstärksten Dienstleistungsunternehmen in Deutschland. Mehr als 60 Krankenhäuser und 20 Seniorenzentren zählen zum Verbund. Das Unternehmen hat nach eigener Darstellung stets Qualität vor Quantität als Unternehmensstrategie gesetzt.
Sana wurde 1972 vom Verein zur Planung und Förderung privater Krankenhäuser e.V. (Köln) von damals 18 privaten Kran­ken­ver­siche­rungsunternehmen gegründet. Inzwischen zählen 30 PKV-Unternehmen zu den Gesellschaftern. Mit dem von privaten Kranken-versicherungsunternehmen getragenen Klinikkonzern sollte damals den politischen Parolen vom „klassenlosen Krankenhaus“ ein Gegengewicht gesetzt werden mit der Möglichkeit, auch das Angebot von Akutkrankenhäusern im Wahlleistungs- und Komfortsektor zu erhalten. Die ursprünglich in kommunaler Trägerschaft betriebenen Krankenhäuser (zum Beispiel das Städtische Krankenhaus Hürth) wurden von Sana übernommen und saniert, ohne den Versorgungsauftrag zu verändern; die Klientel der Patienten in Hürth und im Einzugsbereich Köln wurde beibehalten.
Eine wichtige Etappe in der Entwicklung des Unternehmens ist die 1991 eingeführte Strategie des Managements von Krankenhäusern in fremder Trägerschaft (Management-Verträge), so zum Beispiel das Karl-Olga-Krankenhaus in Stuttgart. Sana verfolgt das Prinzip der Regionalisierung mit relativ weitgehender Autonomie der Geschäftsführer in den Regionen. Kommunale Krankenhäuser (wie die in Stuttgart) übertrugen das Management an Sana, um Vorteile des Klinikverbundes beim Einkauf und der Synergie zu erzielen, ohne jedoch die Trägerschaft abzugeben. Dies hatte die Signalwirkung auf den sich rasch verändernden Krankenhaussektor und initiierte eine dynamische Wachstumsphase von Sana. In zwölf Jahren verfünffachte sich die Zahl der Einrichtungen auf inzwischen 62 Krankenhäuser. Über die Sana-Einkaufsorganisation sind rund 130 Krankenhäuser bundesweit assoziiert. Die Klinikengruppe hält ein umfangreiches Dienstleistungs- und Beratungsangebot vor: Informationstechnologien, Medizintechnik, Bau und Technik, Controlling, Einkauf und Logistik, Qualitätsmanagement, Personal und Recht, Fort- und Weiterbildung, Speisenversorgung, Reinigung und Wäscheversorgung. Zehn Tochtergesellschaften sowie zentrale Bereiche, von der Münchener Zentrale gesteuert, sorgen für einen hohen Qualitätsstandard in den Krankenhäusern und den Senioreneinrichtungen.
Der Konzern konzentriert sich auf leistungsfähige Akutkrankenhäuser (bei der Übernahme oder beim Management) und auf Fachkliniken. Seit dem Jahr 2000 wurden sieben Häuser übernommen beziehungsweise Anteile erworben: Sana-Herzzentrum Cottbus, Sana-Klinikum Remscheid, Klinik Herrental, Herzzentrum Dresden/Universitätsklinik, Sana-Kliniken Lübeck sowie OsteMed Kliniken und Pflege. Mit der Minderheitsbeteiligung bei ProConsilio AG, einem Anbieter für Betreuungsprogramme für chronisch Kranke, setzt Sana auf eine Verknüpfung von integrierter Versorgung und Disease Management. Dadurch soll eine engere Kooperation mit niedergelassenen Ärzten erzielt werden.
Der Erfolg der Sana-Klinikengruppe liegt vor allem bei der Restrukturierung öffentlich-rechtlicher Krankenhäuser. Sana hat eine drei Mitglieder zählende Unternehmensleitung, darunter einen Arzt. Seit April 2003 ist Dr. rer. pol. Reinhard Schwarz Vorsitzender der Geschäftsführung.
Helios-Kliniken: Qualität vor Umsatzwachstum
Die Helios Kliniken GmbH, Fulda, ein 1994 gegründetes Unternehmen, konzentriert sich ausschließlich auf Akuteinrichtungen. Der Konzern zählt zu den größten Krankenhauskettenbetrieben in privater Trägerschaft in Deutschland. Die Gruppe erzielte in den vergangenen Jahren Expansionserfolge, die über dem Branchendurchschnitt liegen. Der Klinikträger trägt die Ergebnisverantwortung für 22 Akut- und Fachkrankenhäuser aller Versorgungsstufen in Deutschland und in Österreich mit einer Gesamtkapazität von 7 100 Betten (bei zurzeit 13 000 Mitarbeitern). Nach dem Erwerb des Klinikums Wuppertal zum 1. Januar 2003 ist Helios Träger von drei Krankenhäusern der Maximalversorgung und hat als akademisches Lehrkrankenhaus Universitätsrang.
Der Konzern prognostiziert für das Jahr 2003 einen konsolidierten Umsatz von rund 900 Millionen Euro. Nach dem Geschäftsbericht für das Jahr 2001 betrug der Umsatz der Klinikengruppe rund 1,26 Milliarden DM (645 Millionen Euro). Die drei Einrichtungen der Maximalversorgung (Klinikum Erfurt, Klinikum Berlin und Klinikum Wuppertal) tragen wesentlich zum Umsatz und wirtschaftlichen Erfolg von Helios bei. Neben Trägerschaften werden grundsätzlich auch Minderheitsbeteiligungen eingegangen. Die Klinikengruppe verfolgt die Strategie, die Mehrheit der Geschäftsanteile des klinikverbundenen oder zu übernehmenden Krankenhauses zu erwerben, um damit die unternehmerische Gesamtverantwortung zu tragen. Bei der Übernahme und dem Erwerb von kommunalen Häusern wurde Wert darauf gelegt, die Einrichtungen entsprechend dem Versorgungsvertrag zu sichern und die Häuser zu modernisieren. Erhebliche Teile des Neu-Investitionsvolumens fließen in die Apparate- und Großgerätemedizin und in die technische Ausrüstung. Wesentliche Teile des Gewinns werden reinvestiert. Außerdem werden externe Fördermittel akquiriert.
Der Konzern verfolgt die Strategie der „selektiven Privatisierung“ bei der Akquisition von Akutkrankenhäusern. Kleinere Krankenhäuser sollen dabei das Angebot an den bisherigen Standorten ergänzen und abrunden sowie die Zusammenarbeit verbessern. Aufgrund der fachlichen Spezialisierung und der hohen medizinischen Kompetenz sollen die kleineren Häuser das Know-how von Helios verbessern und zur Weiterentwicklung und Verdichtung des Leistungsangebots beitragen. Stark in den Vordergrund gerückt wird seit Firmengründung durch den Chirurgen Dr. med. Lutz Helmig, Grebenhain, der medizinische Führungsanspruch.
Asklepios: Verbundwirtschaft
In allen Bundesländern mit Kliniken vertreten ist die 1984 gegründe-
te Asklepios-Kliniken GmbH, Konzernsitz: Königstein-Falkenstein bei Frankfurt/ Main. Gegründet und aufgebaut wurde die Firma von Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer Dr. jur. Bernard gr.
Broermann, der beim Ausbau, Zuerwerb und der Positionierung der zum Konzern zählenden Kliniken auf seine Erfahrungen als Wirtschaftsprüfer und seine Tätigkeit in den USA zurückgreifen konnte. Stark geprägt ist das Management durch das Engagement des Unternehmensgründers, der auf Marktpositionierung, Expansion, integrierte Versorgung und interne Verbundwirtschaft setzt. In den letzten fünf Jahren erzielte die Gruppe mit 30 Prozent Plus je Jahr ein überdurchschnittliches Wachstum. Heute zählen zum Konzern Asklepios-Kliniken GmbH 78 Einrichtungen im Eigentum der Klinikengruppe. Davon liegen 64 Klinikstandorte in Deutschland und sieben in den USA. Daneben unterhält der Konzern 14 soziale Einrichtungen in Deutschland. Schwerpunkt der Gruppe ist in der Akutmedizin und der akutnahen Re-habilitation. Zum Konzern zählen 48 Akutkliniken, drei Krankenhäuser für Forensische Psychiatrie, sechs akutnahe Rehabilitationskliniken sowie sieben Rehabilitationskliniken und ein Kurstift. 51 Häuser und Einrichtungen werden im Eigentum oder Beteiligung von Asklepios betrieben.
Zurzeit erwirtschaftet die Klinikengruppe mit rund 20 000 Mitarbeitern und 14 000 Betten einen Jahresumsatz von einer Milliarde Euro (brutto). Mit dieser Größenordnung steht die private Gruppe in der Spitzengruppe
aller privaten Klinikkettenbetriebe in Deutschland. Der Anteil der Fachkrankenhäuser an den Akutkliniken liegt mit etwa einem Drittel relativ hoch. Die Gesellschaft unterhält Trägerschaften, Beteiligungen und Management-Verträge (in Form einer vertraglich verbundenen Betriebsführung fremder, mit dem Konzern verbundener Krankenhäuser).
Die Unternehmensleitung praktiziert ein dreistufiges Organisations- und Entscheidungsmodell. Die Entscheidungen werden auf drei Befugnisebenen gefällt: dem Geschäftsführer, den regional autonomen Geschäftsführern und dem Hauptgeschäftsführer. Den Entscheidungsrahmen bildet ein Zuständigkeitskatalog. Strategische Entscheidungen und unternehmerische Entscheidungen mit weitreichender Bedeutung werden ausschließlich von der Konzernleitung getroffen.
Ein wichtiges Geschäftsfeld sieht der Konzern im Management von sozialen und gesundheitlichen Einrichtungen, die dem Konzern gehören oder mit ihm Management-Verträge abgeschlossen haben. Ein Markenzeichen des Konzerns ist das Engagement in der Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie in der Durchführung von Fachkongressen.
Die meisten privaten Klinikkonzerne veröffentlichen regelmäßig Geschäftsberichte, obwohl sie im Gegensatz zu Aktiengesellschaften nicht dazu verpflichtet und bei der Rechnungslegung nicht an die aus dem Aktiengesetz abgeleiteten Publizitätsvorschriften gebunden sind.
Die Asklepios-Kliniken ist der erste Konzern, der jährlich einen medizinischen Jahresbericht vorlegt. Im jüngsten Bericht wird ausführlich über die Ergebnisse des medizinischen Controllings, die Qualitätsergebnisse (zum Beispiel Mortalität) berichtet. Ebenso eingeschlossen ist ein Überblick über die ersten Ergebnisse des Einsatzes des diagnosebasierten Fallpauschalensystems (im Vergleich zu australischen Refe-renzzahlen). Dr. rer. pol. Harald Clade

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