ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2003Deutscher Ärztetag: Wenig Sachkunde

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Deutscher Ärztetag: Wenig Sachkunde

Dtsch Arztebl 2003; 100(26): A-1800 / B-1497 / C-1405

Dietrich, Mathias

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LNSLNS Der Ärztetag hat beschlossen, die Zusatzbezeichnung „Betriebsmedizin“ unverändert zu lassen. Dies ist ein legitimer Prozess innerhalb eines demokratisch gewählten Gremiums. Verwunderung löst allerdings bei Sachkundigen die hierzu dokumentierte Begründung aus.
Woher wussten die mit „Ja“ stimmenden Delegierten eigentlich, dass „nicht genügend Weiterbildungsstellen für Arbeitsmedizin angeboten werden“? Haben sie alle eigene Erfahrungen mit diesem Problemkreis oder haben sie Gespräche hierüber mit sachkundigen Institutionen und Gremien geführt? Wie ist die in Fachkreisen als Topthema gehandelte Problemlage in diese Entscheidung mit eingeflossen, dass selbst große betriebsärztliche Einrichtungen nicht mehr in der Lage sind, ihre Weiterbildungsstellen zu besetzen? Kurz: Die Behauptung, es gäbe nicht genügend Weiterbildungsstellen, ist falsch. Sollte die Wissensgrundlage bei den anderen Ärztetagsbeschlüssen genauso falsch gewesen sein, kann einem ja himmelangst werden.
Und weiter: Woher beziehen die Delegierten des Ärztetages ihre Kenntnisse, dass es „unweigerlich zu Engpässen in der Versorgung der Kleinst- und Kleinbetriebe“ kommen wird? Die entsprechenden Strukturstudien würde ich schon gerne einmal sehen. Obwohl mit jedem Thema der arbeitsmedizinischen Versorgung bestens vertraut, ist mir eine solche noch nie bekannt geworden. Handelt es sich bei dieser Behauptung um Wissen oder auch um irgendetwas aus dem Bauch?
Als einer aus dem einfachen ärztlichen Fußvolk wäre mir sehr viel wohler, wenn ich davon ausgehen könnte, dass meine Repräsentanten Abstimmungen abhängig machen von eigenem Wissen. Dies beinhaltet auch, dass man bei fehlendem Wissen zu der Möglichkeit der Stimmenthaltung greift, was jedoch niemand getan hat.
Fazit: Jeder Delegierte, der an dieser Abstimmung teilgenommen hat, „wusste“ offenbar erheblich mehr über die Zusammenhänge und Hintergründe betriebsärztlicher Versorgung als die Arbeitsmediziner in Deutschland selbst. Ein Phänomen!
Dr. Mathias Dietrich, Arbeitsmedizinischer Dienst Oldenburg e. V., Wilhelmshavener Heerstraße 79, 26125 Oldenburg
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