ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2003Chefärzte Aus Dornröschenschlaf erwacht?

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Chefärzte Aus Dornröschenschlaf erwacht?

Dtsch Arztebl 2003; 100(26): A-1801 / B-1499 / C-1407

Frank, Daniel

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LNSLNS Es ist schon verwunderlich, dass der Direktor der Universitätsfrauenklinik erst jetzt erkennt, wie wichtig Kostenbewusstsein und Management-Talent eines Chefarztes sind. Diese Erkenntnis kurz vor der Einführung des DRG Systems könnte die Voraussetzung für die zukünftige Positionierung einer Klinik im immer enger werdenden Gesundheitsmarkt sein. Hoffentlich kommt die Eingabe nicht zu spät. Die Vorbereitung auf das neue Abrechnungssystem sollte bereits weit fortgeschritten oder abgeschlossen sein. Jetzt die neuen Tugenden eines Chefarztes auf das Schild zu heben, vermittelt den Eindruck, als wäre jemand aus einem jahrelangen Dornröschenschlaf erwacht. Recht dornig wird der Weg der Erkenntnis, wenn man sich die Vorstellungen des kaufmännischen Vorstands der Leipziger Universitätsklinik, die Gehälter der Chefärzte auf 30 bis 50 % der Grundvergütung zu reduzieren, anhand der Gehaltsabrechnung vor Augen führt. Ca. 1 197,14 bis 1 599,39 Euro würden überwiesen, leistungsabhängig bis zu 50% Zuschlag würde dies einem Gehalt von 2 399,08 Euro monatlich entsprechen, zu erreichen nach 22 Dienstjahren, zwei Kindern und einer Ehefrau, die nicht berufstätig, zumindest nicht im öffentlichen Dienst beschäftigt ist.
Als besonderen Anreiz bietet er weitere 5 bis 10 % für Gutachten und Vorträge, die Privatliquidation und Erträge aus einer KV-Ermächtigung sind an den Träger abzuführen.
Wir diskutieren seit Monaten über fehlende finanzielle Anreize für Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger, was nicht heißen soll, dass diese „sozialverträglichen“ Gehaltsvorstellungen von Herrn Dr. Elmar Keller diesem Niveau entsprechen würden. Nur über eines sollten wir uns alle klar sein, wenn die Entlohnung nicht stimmt, kann ich keine Spitzenleistungen erwarten. Wenn wir ca. 40 Direktoren einer Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Deutschland haben, so sind dies 40 Spitzenkräfte, die sich über Jahre diese Position erarbeitet haben, nochmals: 40 von über 80 Millionen Deutschen. Diese Persönlichkeiten sollen mit Gehältern abgefunden werden, die einen Facharbeiter keineswegs zur Leistung motivieren.
Das private Kran­ken­ver­siche­rungswesen hat in Deutschland und vielen europäischen Ländern eine lange Tradition. Die Einnahmen aus wahlärztlicher Tätigkeit fließen zu ca. 75 % an die Kliniken und gesetzlichen Krankenkassen zurück. Ohne diese Einnahmen wäre eine Vielzahl der Klinikbetreiber ruiniert, die GKV hätte ein unvergleichlich höheres Finanzierungsproblem und auf absehbare Zeit gäbe es keine Private Kran­ken­ver­siche­rung mehr, da sich keine Kunden mehr fänden, die eine Leistung von „einem qualifizierten Team“ nachfragen würden. Man muss schon mit dem berühmten Klammerbeutel gepudert sein, wenn man sich den Vorstellungen des kaufmännischen Vorstands der Universität Leipzig beugen würde.
Dr. med. Daniel Frank, Remigius Krankenhaus Opladen, An St. Remigius 26, 51379 Leverkusen
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