ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2003Neue Chancen für ältere Patienten mit aggressiven Lymphomen – In Deutschland zu selten genutzt? Zahlreiche Fragen unbeantwortet

MEDIZIN: Diskussion

Neue Chancen für ältere Patienten mit aggressiven Lymphomen – In Deutschland zu selten genutzt? Zahlreiche Fragen unbeantwortet

Dtsch Arztebl 2003; 100(26): A-1815 / B-1511 / C-1419

Kuse, Rolf

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LNSLNS Es ist verdienstvoll, dass die Autoren auf die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten für hochbetagte Patienten mit aggressiven Lymphomen hinweisen. Sie beklagen, dass in der älteren B-2- und der aktuellen 1999-1-Studie Patienten jenseits des 60. Lebensjahres mit weniger als 20 Prozent deutlich unterrepräsentiert sind, obwohl die meisten aggressive Lymphome jenseits des 65. Lebensjahres auftreten. Sie nehmen zu Recht an, dass nur Patienten zur Studienteilnahme zugewiesen wurden, die als relativ fit und therapierbar erschienen.
Dennoch gründen die Autoren ihre optimistische Einschätzung der erfolgreichen Behandelbarkeit und sogar Heilbarkeit einer weit größeren Anzahl hochbetagter Patienten auf diese schmale und nicht repräsentative Datenbasis. Sie verurteilen den „therapeutischen Nihilismus“, zu dem auch unsere Publikation aus dem Jahre 1998 in der DMW (Literaturzitat 22) beigetragen habe. Wenn sie unseren Ergebnissen schon eine derartige Bedeutung beimessen, sollten sie aber auch erwähnen, dass wir für Patienten von 70 Jahren und älter (bei uns: Altersmedian 76 Jahre) angesichts von 10-Jahres-Überlebensraten von 45 beziehungsweise 47 Prozent in den Niedrig- und Niedrig-intermediär-Risikogruppen die Behandelbarkeit ausdrücklich hervorgehoben haben. Lediglich für die hochintermediäre und Hochrisikogruppe mit 14 beziehungsweise 4 Prozent Überleben nach 2,5 Jahren haben wir eine wohl nachvollziehbare zurückhaltende kurative Zielsetzung vertreten. Hartmann et al. erwähnen leider auch nicht, dass unsere zwischen 1985 und 1995 „monozentrisch“ gewonnenen Ergebnisse den Anstoß für die besondere Berücksichtigung hochbetagter Patienten in der 1999 begonnenen Studie der DSHNHL gegeben haben und somit als Pilotprojekt aufgefasst werden können.
Die Autoren würden zur Akzeptanz ihrer wichtigen Botschaft wesentlich beitragen, wenn sie noch folgende Fragen ergänzend beantworteten:
- Auf welche Patientenzahl und welche Literaturquelle stützen sich die in der Tabelle angegebenen Prozentwerte?
- Wie sehen angesichts der von den Autoren besonders betonten Zunahme der Risikofaktoren im höheren Lebensalter die den 4-IPI-Gruppen entsprechenden Überlebenskurven aus, und welche Patientenzahlen liegen ihnen zugrunde?
- Welchen Einfluss hatte die Komorbidität, die vermutlich zur therapeutischen Zurückhaltung vieler zuweisender Ärzte beiträgt, auf die vorgelegten Ergebnisse?
- Wird das Ende der beiden Kurven bei 60 Monaten bereits als Plateau aufgefasst oder besteht doch noch eine fallende Tendenz, was darauf schließen ließe, dass in zahlreichen Fällen noch ein Fortschreiten der Erkrankung zu befürchten ist?

Prof. Dr. med. Rolf Kuse
Richterstraße 11
22085 Hamburg

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