ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2003Neue Chancen für ältere Patienten mit aggressiven Lymphomen – In Deutschland zu selten genutzt? Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Neue Chancen für ältere Patienten mit aggressiven Lymphomen – In Deutschland zu selten genutzt? Schlusswort

Dtsch Arztebl 2003; 100(26): A-1815 / B-1511 / C-1419

Pfreundschuh, Michael

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LNSLNS Für die von Prof. Kuse aufgeworfenen Fragen bedanken wir uns herzlich und möchten sie wie folgt beantworten:
- Die in der Tabelle 2 angegebenen Raten an kompletten Remissionen und 5-Jahres-Überlebensrate stammen aus der Metaanalyse des International Prognostic Index (IPI) Project (1). Der IPI beruht auf Daten von mehr als 4 000 Patienten mit hochmalignen beziehungsweise aggressiven Lymphomen, die von 1982 bis 1987 innerhalb von prospektiven Studien mit anthrazyklinhaltigen Polychemotherapien behandelt wurden; circa 40 Prozent der Patienten waren älter als 60 Jahre.
- Die Überlebenskurven desselben Patientenkollektivs wurden in der entsprechenden Publikation ebenfalls gezeigt. Ähnlich wie in der Analyse des IPI betrug in der NHL-B2-Studie die Überlebenszeit aller Patienten mit hoch-intermediärem (n = 134) und hohem (n = 34) Risiko nach 2,5 Jahren 40 Prozent beziehungsweise 35 Prozent gegenüber 14 Prozent und 4 Prozent in der zitierten retrospektiven Studie (2). Dies entspricht einer fast dreifach beziehungsweise zehnfach höheren Überlebenszeit in der prospektiven multizentrischen im Vergleich zur angesprochenen retrospektiven monozentrischen Studie. Dies lässt sich nicht allein durch den sieben Jahre höheren Median des Patientenkollektivs in der retrospektiven monozentrischen Studie erklären, sondern dürfte vor allem durch eine insuffiziente Therapie bedingt sein (relative Dosisintensität des wirksamsten Medikamentes Doxorubicin in der monozentrischen Studie: 0,82; in der multizentrischen NHL-B2-Studie: 0,97).
- Über den Einfluss der Komorbidität auf die vorgelegten Ergebnisse gibt es keine Daten. Allerdings können weniger als 10 Prozent der bis 85 Jahre alten Patienten mit aggressiven Lymphomen, die uns vorgestellt werden, nach Durchführung der beschriebenen Vorphasentherapie dann tatsächlich nicht in kurativer Intention, das heißt mit dem CHOP-14-Schema, in voller Dosierung behandelt werden.
- Selbstverständlich gibt es bei einer Population von Patienten über 70 Jahren kein Plateau in der Überlebenskurve. Allerdings sind Todesfälle, die mehr als drei Jahre nach Therapiebeginn auftreten, nur in seltenen Ausnahmefällen durch die Lymphomerkrankung oder Spätfolgen der Therapie, sondern praktisch immer durch andere in diesem Alter üblichen Ursachen bedingt.
Tatsächlich hatte unsere Studiengruppe aufgrund der besagten Publikation der retrospektiven monozentrischen Studie in der DMW aus dem Jahre 1998 für Patienten über 70 Jahre eine besondere Therapiestrategie diskutiert. Erst die Analyse der multizentrisch innerhalb der NHL-B-2 Studie behandelten Patienten zeigt uns, dass auch in Deutschland im multizentrischen Kontext wesentlich höhere Heilungsraten bei älteren Patienten mit aggressiven Lymphomen zu erzielen sind. Insofern war die retrospektive Studie eher ein Anti-Pilot- denn ein Pilot-Projekt für das RICOVER-60-Protokoll, in dem alle Patienten von 61 bis 80 Jahre unabhängig von ihrem Risikofaktor die gleiche kurativ intentionierte Therapie erhalten. Eine Analyse der ersten 200 innerhalb von RICOVER-60 behandelten Patienten zeigt, dass auch 8 Zyklen CHOP-14 bei Patienten bis zu 80 Jahren ohne Dosisreduktion und mit minimaler Zeitverzögerung durchführbar sind.

Literatur
1. A predictive model for aggressive non-Hodgkin's lymphoma. The International Non-Hodgkin's Lymphoma Prognostic Factors Project. N Engl J Med 1993; 329: 987–994.
2. Sonnen R, Kuse R: Long term results of treatment of highly-malignant non-Hodgkin lymphoma in the elderly (70 years and older). Dtsch Med Wochenschr 1998; 123: 205–211.

Prof. Dr. med. Michael Pfreundschuh
Medizinische Klinik I
Universität des Saarlandes
66421 Homburg

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