ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2003Die Malerin Monika Fuchs: Ehrfurcht vor den Farben

VARIA: Feuilleton

Die Malerin Monika Fuchs: Ehrfurcht vor den Farben

Dtsch Arztebl 2003; 100(26): A-1819 / B-1514 / C-1422

Juds, Bernd

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„Selbstbildnis“, Öl, 70 × 50 cm
„Selbstbildnis“, Öl, 70 × 50 cm
Nach einer fruchtbaren Odyssee kehrte die Malerin in ihre Heimat, den Spreewald zurück, wo sie ohne stilistische Einengung arbeiten kann.

Lübben im Spreewald, Uraltmetropole unter den hohen Himmeln der Niederlausitz, ist ein Ort für Farbpoeten. Hier liegt – in der Stadtkirche – der Dichter Paul Gerhardt begraben, der in seinem berühmten Lied „Geh’ aus mein Herz und suche Freud’“ die Sommerfarben der „Narzissen und Tulipan“ vor mehr als 300 Jahren nahe brachte. In Lübben wurde auch der Maler Hans Thuar geboren, der ins Rheinland gelangte, dort seine Jugend mit August Macke teilte und als dessen Schwager später zu einem der wichtigen rheinischen Expressionisten wurde. Thuar war ein meisterlicher Beherrscher der Farbenharmonie.
Komposition „Reigen“, Öl, 50 × 70 cm
Komposition „Reigen“, Öl, 50 × 70 cm
Nur wenige hundert Meter von Thuars Geburtsstätte entfernt liegt im Schatten eines ehrwürdigen Eichenhains das Atelier von Monika Fuchs. Sie hat – wie Thuar – als Kind mit den Eltern die Niederlausitz (wo sie im Neiße-Städtchen Forst geboren wurde) verlassen und kehrte nach der Wiedervereinigung in ihre Heimatlandschaft zurück. Zwischen diesen Daten liegt eine äußerst fruchtbare Odyssee, die sie ins Rheinland und bis in die
„Schottisches Hochland“, Öl, 50 × 70 cm
„Schottisches Hochland“, Öl, 50 × 70 cm
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Schweiz führen sollte. In Wuppertal besuchte sie die Werkkunstschule, wo sie Schülerin von Prof. Rudolf Schoofs wurde. Der ehemalige Bauhaus-Schüler hat ihr denn auch viel Künstlerphilosophie mitgegeben: darunter die Ermutigung, „den eigenen Weg zu gehen“ und zugleich „alles Gute auf sich einwirken zu lassen“. Und das, was die Frankfurter Allgemeine Zeitung kürzlich über ihren Lehrer und seine „posthume Huldigung an eine im Schwinden begriffene Kultur der Farbe“ schr
„Sandwände an der Algarve“, Öl, 50 × 70 cm
„Sandwände an der Algarve“, Öl, 50 × 70 cm
ieb, gilt inzwischen längst auch für seine Schülerin. Sie beweist in allen Arbeiten diese Ehrfurcht vor den Farben, bekennt sich zum dogmenfreien Arbeiten ohne stilistische Einengung. Und wenn von einigen Kunstkritikern der „Verrat an der Farbe in der modernen Kunst“ angeprangert wurde – für Monika Fuchs gilt der Vorwurf nicht: Gern zitiert sie vor ihren Ateliergästen in der Lübbener Virchowstraße Hermann Hesses Gedicht über die „Malerfreuden“, in welchem es heißt: „Aber hier in meinen Augen wohnt/Eine andre Ordnung aller Dinge/. . . Licht und Farbe schwingt von Welt zu Welt.“
In Hesses Süden hat sie denn auch den Großteil ihres Künstlerlebens gelebt: Früh malte sie in „Turnerscher Manier“ Aquarelle im Odenwald und am Oberrhein und zog dann mit ihrer Familie in die Schweiz – nach Nottwil bei Luzern. Dort konterfeite sie die Bergpyramide des Niesen über dem Thuner See (die schon Klee inspiriert hatte), gab in ihren „Schweizer Impressionen“ den Gletscherregionen und Tälern des Oberlandes neue aufregende Farben, wobei sie dem Betrachter stets Raum für Ergänzungen aus der eigenen Fantasie ließ. Bernd Juds

Die Bilder von Monika Fuchs sind in einer ständigen Ausstellung zu besichtigen (Virchowstraße 1, 15907 Lübben). Um telefonische Anmeldung wird gebeten: 0 35 46/81 19.

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