ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2003Private Kran­ken­ver­siche­rung: Missverhältnis

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Private Kran­ken­ver­siche­rung: Missverhältnis

Dtsch Arztebl 2003; 100(27): A-1829 / B-1521 / C-1429

Clade, Harald

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LNSLNS Die private Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) ist mit dem Geschäftsjahr 2002 zufrieden. Der Verband meldet für das vergangene Jahr zwar „stetig gestiegene“ Leistungsausgaben je Versicherten, die Leistungsausgaben in der Vollkostenversicherung erhöhten sich je Versicherten jedoch im Durchschnitt nur um 3,6 Prozent, mithin der drittniedrigste Kostenanstieg in der Vollkostenversicherung seit zwölf Jahren.
Trotz zum Teil spürbarer Prämienerhöhungen zu Jahresbeginn 2002 betrug der Netto-Neuzugang 220 800 Personen (Vorjahr: 216 400). Der Bestand in der Vollversicherung liegt jetzt bei 7,93 Millionen (Vorjahr: 7,7 Millionen) Personen. Eine Krankenhauszusatzversicherung hatten im vergangenen Jahr 4,525 Millionen Personen abgeschlossen.
Was dagegen eher nur zufällig in den Bilanzen angeführt und im jüngsten Rechenschaftsbericht des PKV-Verbandes zu lesen ist: Bei den Verwaltungs- und Abschlusskosten wird in die Vollen gegangen, ohne Rücksicht auf die Ausgabenexpansion gepowert – mit einer branchentypischen Kosteninflation. Auch beim Marketing, der Werbung und bei den Abschlussprämien wird geklotzt. Auf stolze 3,04 Milliarden Euro (2001: 2,822 Milliarden Euro) addieren sich die Verwaltungs- und Abschlusskosten der Branche im Jahr 2002. Dies sind rund 20 Prozent, gemessen an den Versicherungsleistungen (ohne Regulierungskosten). Die ambulanten privatärztlichen Kosten betrugen dagegen 24,2 Prozent, gemessen an den Versicherungsleistungen. Mithin entsprechen die PKV-Verwaltungs- und Abschlusskosten 82,5 Prozent der Kosten für die ambulante privatärztliche Behandlung! Dies ist ein krasses Missverhältnis, vor allem wenn man die Provisionen und Abschlussaufwendungen unter die Lupe nimmt. Insidervermutungen zufolge wird eine ganze Versicherungsjahresprämie als Abschlussvergütung gezahlt, nicht nur für echte Neuabschlüsse, sondern auch für so genannte Umdeckungen und Umstufungen bereits bestehender Verträge. Bei manchen Unternehmen beansprucht allein die Abschlussprovision 14 bis 19 Prozent aller Leistungsausgaben. Hier sollte der „Gesundheitsdienstleister“ PKV ansetzen, um die schiefen Verhältnisse wieder ins Lot zu bringen und der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung beim Kostendämpfen nachzueifern. Dr. rer. pol. Harald Clade
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