ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2003Hormonersatztherapie: Krebsfrüherkennung erschwert

AKTUELL: Akut

Hormonersatztherapie: Krebsfrüherkennung erschwert

Dtsch Arztebl 2003; 100(27): A-1833 / B-1525 / C-1433

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Die postmenopausale Hormontherapie erhöht das Risiko für Mammakarzinome sowohl insgesamt, speziell aber für die Entwicklung invasiver Formen. Wie die jüngste Auswertung der Women’s-Health-Initiative(WHI)-Studie ausweist, sind die invasiven Karzinome von Histologie und Grading zwar ähnlich denjenigen in der Placebogruppe – zum Zeitpunkt der Diagnose jedoch größer und in fortgeschritteneren Stadien. Darüber hinaus weisen die Mammographien schon nach einjähriger Hormontherapie signifikant mehr auffällige Befunde (9,4 versus 5,4 Prozent) auf (JAMA 2003; 289; 3243–3253). Ausgewertet wurde die Intention-to-Treat(ITT)-Population aus zwei Armen der WHI-Studie: 16 608 nicht hysterektomierte Frauen, die randomisiert entweder Hormone (konjugierte Estrogene plus Medroxyprogesteronacetat) oder aber Placebo über 5,6 Jahre – also bis zum Abbruch der Studie – eingenommen hatten. Ziel der Analyse war es, Zusammenhänge zwischen Hormontherapie, Brustkrebs-Charakteristika und Mammographie-Empfehlungen aufzudecken. Die Ergebnisse im Detail:

Bei 8 506 Frauen unter Hormontherapie wurden 199 invasive Mammakarzinome gesichert, in der Placebogruppe waren es mit 150 Fällen statistisch signifikant weniger. Die Vermutung, wonach Mammakarzinome unter Hormontherapie früher erkannt werden und „weniger maligne“ sein sollen, hat sich nicht bestätigt – im Gegenteil: Bei der Diagnose waren die Krebsherde größer (1,7 versus 1,5 cm), häufiger nodal positiv (25,9 versus 15,8 Prozent) und öfter in einem fortgeschrittenen Stadium (regional begrenzt/metastasiert: 25,4 versus 16
Prozent). Darüber hinaus schmälert die kombinierte Hormontherapie die Aussagekraft von Mammographien durch die Dichtezunahme der Brust. Bereits nach einjähriger Therapie fanden sich fast doppelt so viele auffällige Befunde (9,4 versus 5,4 Prozent) wie in der Placebogruppe – auch bei den jüngeren Frauen im Alter von 50 bis 59 Jahren. Insgesamt wurde bei fast einem Drittel (31,3 Prozent) der Frauen unter Hormontherapie und jeder fünften (21,2 Prozent) im Placeboarm mindestens einmal ein „suspekter“ Mammographie-Befund ermittelt.

Die Autoren stellen deshalb in einem Kommentar die Hypothese auf, dass Estrogene und Gestagene das Wachstum von Brustkrebs stimulieren und die Diagnose durch die schwierigere Interpretation der Mammographien erschweren. Eine frühere Hormontherapie erhöhte in dieser Analyse das Brustkrebsrisiko zwar trendmäßig, aber nicht signifikant – verglichen mit Frauen, die nie Hormone genommen hatten, scheine das Risiko sogar etwas geringer. Dr. Renate Leinmüller
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