ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2003Katastrophenschutz: Zutreffende Analyse

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Katastrophenschutz: Zutreffende Analyse

Dtsch Arztebl 2003; 100(27): A-1861 / B-1549 / C-1457

Eggers, Hans J.

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LNSLNS Dr. Hoffmann hat in seinem Beitrag zu einem möglichen bioterroristischen Angriff mit Pockenviren die Schwächen und Fehleinschätzungen der offiziellen Politik noch einmal zutreffend analysiert. Es ist haarsträubend, was Politiker und selbsternannte „Experten“ in den letzten Monaten zu diesem Themenkomplex (Epidemiologie, Quarantäne, Impf-„Logistik“, Immunität etc.) selbst in sog. seriösen Zeitungen unkontrolliert von sich geben konnten, von den übrigen Medien ganz zu schweigen. Auch Wissenschaftler äußern sich gelegentlich in einer Weise, als ob die Fachpublikationen der letzten Jahrzehnte überhaupt nicht existierten. Hoffmann hat zu Recht auf die Lehren verwiesen, die aus den gut dokumentierten Ereignissen z. B. in Meschede (1970) und dem Kosovo (1972) zu ziehen wären. Die Beispiele ließen sich beliebig vermehren, wobei heutzutage die Mobilität der modernen Gesellschaft und die nicht vorhandene Immunität des größeren Anteils der Bevölkerung gravierend hinzukommen.
Es kann nicht genug betont werden, dass der Fachwissenschaftler naturgemäß die Wahrscheinlichkeit des Ernstfalls nicht abschätzen kann, das ist Sache des Staates. Aber wenn schon Pockenimpfstoff für die Bevölkerung der Bundesrepublik bereitgestellt wird, dann kann die potenzielle Umsetzung eines Impfprogramms nicht derart dilettantisch behandelt werden. Lebenserhaltende und effektive Prophylaxe beim eingetretenen Chaos wird schwierig sein. Zudem wäre die Wahlfreiheit und eigene Entscheidung des Bürgers in Sachen Pockenimpfung in einer Demokratie zur Diskussion zu stellen.
Prof. Dr. med. Hans J. Eggers, Universität zu Köln, Institut für Virologie, Fürst-Pückler-Straße 56, 50935 Köln
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