ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2003Ärztenachwuchs: Hört die Signale

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Ärztenachwuchs: Hört die Signale

Dtsch Arztebl 2003; 100(27): A-1862 / B-1550 / C-1458

Haage, Heinz

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LNSLNS Dass sich Ärztinnen und Ärzte zunehmend über die Arbeitsbedingungen beklagen, ist bekannt. Dass deshalb immer weniger Studienberechtigte den Arztberuf ergreifen wollen, dagegen nicht. Im Wintersemester 2002/03 bewarben sich laut ZVS 20 Prozent mehr auf einen Medizinstudienplatz als im Jahr zuvor. Wenn die Abnahme der Studentenzahl insgesamt und der Absolventen seit 1993 angesprochen werden, muss berücksichtigt werden, dass die Reform der Approbationsordnung aus dem Jahr 1989 dazu geführt hat, dass 20 Prozent der Studienplätze ab 1991 abgebaut worden sind. Wenn also jährlich über 2 000 Studienplätze entfallen sind, hätte die Gesamtabnahme noch höher ausfallen müssen. Nähere Einzelheiten und eine Auseinandersetzung mit der Studie von Kopetsch von 2002 finden sich in „Das neue Medizinstudium“, Shaker-Vlg., 2003, S. 45 f.
In der Humanmedizin ist nach einer neuen HIS-Studie die Abbrecherquote nicht 20, sondern 9 Prozent und damit außergewöhnlich gering. Auch die Verringerung der AiPler lässt sich auf die Reduzierung der Studienanfängerzahl Anfang der 90er-Jahre zurückführen. Die AiP-Phase ist auch in der neuen ÄAppO noch nicht abgeschafft, dazu bedarf es einer Änderung der BÄO, die noch in diesem Jahr erfolgen soll. Die Gesetzänderung ist bereits eingeleitet worden. Die Signale sind da! Man muss sie nur hören (erkennen) können.
Es besteht auch kein bundesweiter Ärztemangel, im Gegenteil, die Zahl der Ärzte im ambulanten und stationären Bereich nimmt ebenso zu wie die Zahl der Ärzte ohne ärztliche Tätigkeit (vgl. Stichwort „Ärztemangel“ in Rieger, Lexikon des Arztrechts, in Vorbereitung).
Neben der Abschaffung des AiP sind Neukonzeptionen bei der Arbeitszeitregelung, der Beitritt neuer Staaten in die Europäische Union, der Bettenabbau der Krankenhäuser und neue Zulassungszahlen für die vertragsärztliche Versorgung wichtige Faktoren für die Berufsperspektive junger Ärzte.
Dr. Heinz Haage, Am Reuterpfad 2, 53359 Rheinbach
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