ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2003Rationierung Was für ein Unsinn!

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Rationierung Was für ein Unsinn!

Dtsch Arztebl 2003; 100(27): A-1862 / B-1550 / C-1458

Schuster, Gerhard

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LNSLNS Da gibt es echte Probleme zuhauf, und irgendwelche der Materie offensichtlich völlig unkundigen Theologen und Sozialgymnastiker füllen das mediale Sommerloch mit kruden Statements, die eher einen Ausbruch des Rinderwahnsinns in der Gesundheitsdebatte befürchten lassen, als überhaupt einen Hauch an Substanz haben. Gibt es denn keine sinnvollen Ideen und Gedanken mehr? Ist denn schon alles gesagt? Wer solche Diskussionen lostritt, braucht sich nicht zu wundern, wenn letztlich der kleinste gemeinsame Nenner zur Regel wird und immerzu der Berg kreißt, kaum noch eine tote Maus gebiert. Schon in einem kurzen Klinikpraktikum könnten die Sympathisanten der „mit-75-Jahren-ist-Schluss!“- Regel mühelos lernen, was Sache ist: Jede medizinische Leistung wird ja ohnehin daran ausgerichtet, was dem Individuum (noch) hilfreich ist. Da werden nicht Kosten en masse für sinnlose Leistungen generiert und Dinge erbracht wie bei einem Zwanzigjährigen, wenn lediglich die Frage ist, was überhaupt bei z. B. einem 75-Jährigen noch getan werden kann. Im Alter wird es allein aus physiologischen Gründen viel knapper. Es bedarf sicher keiner ohnehin rein willkürlichen Lebensjahreregel, für die es ja nicht einmal eine wissenschaftliche oder kaufmännische Berechtigung gäbe. Es bedarf schlicht der Einsicht, dass das gute alte Arzt-Patienten-Verhältnis und eine adäquate Versorgung des Individuums die volkswirtschaftlich und damit letztlich auch kollektiv beste Lösung ist. Die Regeln ergeben sich schlechterdings aus den medizinischen Wissenschaften. Da die letzten vier Lebensmonate, und nicht Alter per se, immer die teuersten sind, wäre ja hier die Forderung nach Abschaffung des Todes fast sinnvoller denn solcher Selektionismus. Wie leicht können Euthanasiedebatten losgetreten werden! Aber jeder will ja mal ins Fernsehen kommen, oder? Irgendwie traurig, diese Debatte.
Gerhard Schuster, 11, rue Scribe, F-75009 Paris
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