ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2003CD-Kritik: Per Sphärenklang durch die Galaxis

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CD-Kritik: Per Sphärenklang durch die Galaxis

Dtsch Arztebl 2003; 100(27): A-1864

Bartholomäus, Elke

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Das United Women’s Orchestra Foto: UWO
Das United Women’s Orchestra Foto: UWO
Mit dem United Women’s Orchestra unterwegs im Supercluster

Virgo Supercluster heißt die dritte und neueste CD des United Women’s Orchestra, die in Koproduktion mit dem Westdeutschen Rundfunk im November 2002 erschienen ist. Pate für den Titel der CD stand der riesige Galaxiehaufen gleichen Namens, dessen Ausmaße so unvorstellbar sind, dass sich die Milchstraße darin wie ein mikroskopisch kleines Stäubchen ausnimmt. Dieser musikalische Wurf ist ohne Zweifel der Beginn der unbeMannten Raumfahrt im Kosmos europäischer Big-Band-Tradition, denn das 1992 gegründete Orchester besteht ausschließlich aus Frauen und vereint unter der Leitung der Kölnerin Christina Fuchs und der in Arnhem/Niederlande lebenden Engländerin Hazel Leach eine Elite internationaler Musikerinnen aus Deutschland, Großbritannien, den USA und den Niederlanden zu einem spektakulären Klangkörper. Sämtliche Kompositionen stammen aus der Feder der beiden Bandleaderinnen und sind dem Orchester auf den Leib geschrieben, was sich in dem hervorragenden Zusammenklang der Formation niederschlägt. Obgleich beide Komponistinnen recht unterschiedlichen musikalischen Traditionen verbunden sind, verschmilzt die Musik trotz der stilistischen Vielfalt zu einem großen, homogenen Ganzen. Musikalische Gegensätze werden fruchtbar gemacht, das Spektrum bewegt sich im Spannungsfeld zwischen einem zeitgenössisch aufgefassten Swing in der Tradition der Duke Ellington Band über das Spiel mit Rhythmen und Free Jazz mit Anklängen neuer Musik bis hin zu einer von Kenny Wheeler inspirierten Klangwelt. Stets bleibt der Sound ebenso transparent wie spannungsreich, durchwürzt mit hervorragenden Soli von großem Erzählreichtum. Bemerkenswert ist neben der Gastsolistin Ingrid Jensen (Trompete und Flügelhorn) auch die Sängerin Céline Rudolph, die sich auf den schlichten instrumentalen Umgang mit der Stimme ebenso versteht wie auf die Interpretation poetischer Balladen.
Am Ende der farbenreichen akustischen Reise steht eines fest: Diese Klangwelt ist eine Scheibe, und sie swingt doch. Ein galaktisches Ver-gnügen. Elke Bartholomäus

Informationen:
United Women’s Orchestra: Virgo Supercluster. Jazzhausmusik, CD, JHM 123, Köln, 2002. 64:54 Minuten.
www.unitedwomensorchestra.com
Vertrieb: www.jazzhausmusik.de
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