ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2003Operative gelenkerhaltende Verfahren bei Gelenkknorpelschäden – Knorpel induzierende Techniken und Knorpeltransplantation: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Operative gelenkerhaltende Verfahren bei Gelenkknorpelschäden – Knorpel induzierende Techniken und Knorpeltransplantation: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2003; 100(27): A-1886

Werner, Andreas

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LNSLNS Herr Kollege Lucka wiederholt die Feststellung, dass im Falle einer primären Arthrose belastbarer Knorpel durch „markraumöffnende“ Techniken weder entsteht noch das Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit des Knorpels im Allgemeinen verändert wird. Dennoch darf ein solches Missverhältnis nach unserer Meinung nicht verallgemeinernd als Ursache der Arthrose bei primär umschriebenen Knorpeldefekten angenommen werden. So stellen zum Beispiel die Arbeiten von Aigner et al. (2) die Pathogenese der Arthrose in ihrer Komplexheit dar. Neben den mikro- und makromolekularen Veränderungen im Rahmen der Knorpeldegeneration unterhalten abriebinduzierte synoviale Reaktionen zumindest einen Großteil der klinischen Symptomatik der Osteoarthrose. Die Schaffung einer abriebarmen faserknorpeligen Gelenkoberfläche würde also die entzündlichen Abläufe im Rahmen der Arthrosesymptomatik sehr wohl positiv beeinflussen können, auch wenn mit einer reduzierten Haltbarkeit dieser Ersatzoberfläche und damit des Langzeitergebnisses bezüglich der Progredienz zu rechnen ist. Ein möglicher schmerzreduzierender Effekt der Druckentlastung im Markraum sei nur nebenher erwähnt. Ob tatsächlich 95 Prozent der Patienten, bei denen ein solches Verfahren angewendet wird, aus der von Herrn Dr. Lucka genannten Gruppe der Patienten mit primärer Arthrose stammen, wird von unserer Seite bezweifelt. Gerade beim umschriebenen Defekt stellt unter anderem die Markraumeröffnung im Sinne der Mikrofrakturierung nach unserer Meinung ein praktikables und sinnvolles Verfahren dar. Dies insbesondere auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass alle weiteren Optionen erhalten bleiben. Die Heterogenität der Patientenkollektive ist wohl der Hintergrund der abweichenden Bewertung dieser Methoden in der Literatur. Im Konsens ist die Eröffnung des Markraumes zur Stimulation einer Faserknorpelbildung besonders beim umschriebenen Knorpeldefekt, weniger aber beim Vollbild der Arthrose eine von mehreren möglichen Therapieoptionen, die in verschiedenen Studien (1, 3) ihren positiven Effekt gezeigt haben. Die von Herrn Dr. Tesch angesprochene Implantation von Karbonfaserstiften zur Induktion einer ebenfalls als Narbenheilung (4) zu bezeichnenden Neogelenkfläche ist in der Literatur nach unserer Meinung noch nicht ausreichend im Hinblick auf klinische Ergebnisse und eventuelle unerwünschte Wirkungen wie zum Beispiel eine Fremdkörperreaktion (5). Hier sind entsprechende Studien vor einer endgültigen Bewertung der Methode abzuwarten.

Literatur
1. Hangody L, Kish G, Karpati Z: Arthroscopic autogenous osteochondral mosaicplasty: a multicentric, comparative, prospective study. Index Traumat Sport 1998; 5: 3–9.
2. Maletius W, Aigner T: Morphologie und Molekularpathologie der Osteoarthrose. Relevanz für Pathogenese und Diagnostik. Arthroskopie 1999; 12: 3–8.
3. Pässler HH: Die Mikrofrakturierung zur Behandlung von Knorpeldefekten. Zentralbl Chir 2000; 125: 500–504.
4. Qiu YS, Shahgaldi BF, Revell WJ, Heatley FW: Evaluation of Gateshead carbon fibre rod as an implant material for repair of osteochondral defects: a morphological and mechanical study in the rabbit knee. Biomaterials 2002; 23: 3943–3955.
5. Mortier J, Engelhardt M: Foreign body reaction in carbon fibre prosthesis implantation in the knee joint. Z Orthop Ihre Grenzgeb 2000; 138: 390–394.

Dr. med. Andreas Werner
Orthopädische Klinik des
Universitätsklinikums
Moorenstraße 5
40225 Düsseldorf

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