ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2003Organtransplantation: Immunsuppression erhöht das Krebsrisiko

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Organtransplantation: Immunsuppression erhöht das Krebsrisiko

Dtsch Arztebl 2003; 100(27): A-1890

EB

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LNSLNS Verschiedenen Statistiken zufolge tragen Organtransplan-tierte ein doppelt so hohes Krebsrisiko wie der Durchschnittsbürger. Eine aggressive Immunsuppression scheint ein erheblicher Risikofaktor für Krebserkrankungen nach der Transplantation zu sein. Wie auf einer Tagung der Amerikanischen Gesellschaft der Transplantationschirurgen in Miami berichtet wurde, sind beispielsweise Empfänger von Herz- oder Lungentransplantaten, die eine stärkere immunsuppressive Behandlung erhalten, häufiger von Tumorbildung betroffen als Patienten, die eine Niere oder Leber erhalten haben.
Neuere Beobachtungen zeigen, dass unter starker immunsuppressiver Dauerbehandlung gehäuft Viruserkrankungen auftreten (Epstein-Barr-Virus, Polyomavi-ren oder das humane Herpesvirus 8). Eine zunehmende Rate an virusassoziierten Tumoren wäre ein weiterer Hinweis darauf, dass eine starke Immunsuppression die Tumorbildung begünstigt.
Andere Experten stellten Studiendaten vor, nach denen bei besonders schlechter Übereinstimmung der HLA-DR-Werte (Antigene) die Tumorrate erhöht ist. Dies deutet ebenfalls auf einen Zusammenhang mit der immun-suppressiven Therapie hin, da eine schlechte Übereinstimmung der Gewebemerkmale eine besonders aggressive Immunsuppression erfordert. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse einer Nachuntersuchung an 38 000 erstmals Nierentransplantierten, dass sowohl die Auswahl des In-duktions- als auch des Erhaltungstherapieschemas einen Einfluss auf die Tumorrate hat. Danach ist das Tumorrisiko unter Tacrolimus im Vergleich zu Ciciosporin in der Erhaltungstherapie rund 30 Prozent höher; ebenso liegt das Tumorrisiko den Daten zufolge unter Azathioprin um mehr als 35 Prozent höher als unter Mycophenolat Mofetil.
„Die Politik der Verabreichung einer früh einsetzenden aggressiven immunsuppressiven Therapie mit dem Ziel, frühe akute Abstoßungskrisen nahezu vollständig zu verhüten, kommt als Bumerang in Form gehäuft auftretender schwerwiegender Spätkomplikationen zurück“, so Prof. Walter Land, Transplantationschirurg an der Universitätsklinik München. Daher müsse man sich verstärkt darum bemühen, die immunsuppressive Therapie nicht allein unter dem Gesichtspunkt des Transplantaterhalts auszuwählen. Dazu sei es wichtig, das Behandlungsprotokoll in der Induktionstherapie bis zu einem Jahr nach der Transplantation und das Erhaltungstherapieschema voneinander zu trennen. EB

Wintersymposium der Amerikanischen Gesellschaft der Transplantationschirurgen (ASTS) in Miami
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