ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2003Gesundheitsreform: Bedenkenträger

EDITORIAL

Gesundheitsreform: Bedenkenträger

Bühring, Petra

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LNSLNS Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat immer signalisiert, sie sei zu Gesprächen über mögliche Änderungen im Gesundheitssystemmodernisierungsgesetz bereit. Dabei ist sie offenbar von der abschreckenden Wirkung überzeugt worden, die der Zwang, einen Hausarzt vor Beginn einer psychotherapeutischen Behandlung konsultieren zu müssen, für viele Therapiebedürftige haben kann. Denn seelische Erkrankungen sind immer noch mit großen Schamgefühlen verknüpft.
Im jüngsten Entwurf des Wortungetüms ist daher im Vergleich zur vorherigen Fassung eine wesentliche Änderung zu finden: Das Erstzugangsrecht zum Psychotherapeuten bleibt erhalten. In dem Entwurf heißt es: „Versicherte zahlen für jede erste Inanspruchnahme eines an der fachärztlichen Versorgung teilnehmenden Arztes, die nicht auf Überweisung erfolgt, 15 Euro je Kalendervierteljahr an den Arzt. Dies gilt nicht bei Inanspruchnahme eines Frauenarztes, Augenarztes oder Psychotherapeuten . . .“. Da der Begriff „Psychotherapeut“ unklar lässt, ob damit auch ärztliche Psychotherapeuten gemeint sind, fordert die Bundespsychotherapeutenkammer, „psychotherapeutisch tätige Ärzte“ ausdrücklich mit in das Gesetz aufzunehmen. Dies wurde bei der Anhörung der Sachverständigen zur Gesundheitsreform vor dem Bundestagsausschuss für Gesundheit und Soziale Sicherung am 21. Juni deutlich. Die Bundespsychotherapeutenkammer vertritt eigentlich nur die Interessen der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Dass sie sich für die Sicherung der psychotherapeutischen Versorgung unabhängig von den Grundberufen der Leistungserbringer einsetzt, ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Ebenso verdeutlichten Bundespsychotherapeutenkammer und Berufsverbände bei der Anhörung, wie wichtig es ist, dass der „psychotherapeutische Versorgungsbereich“ im Kollektivvertragssystem der Kassenärztlichen Vereinigungen verbleibt. Der derzeitige Entwurf sieht Einzelverträge mit den Krankenkassen für alle neu zur Versorgung zugelassenen Fachärzte und Psychotherapeuten vor, mit Ausnahme von Hausärzten, Gy-
näkologen und Augenärzten. Die Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie e.V. begründet die Forderung unter anderem damit, dass die Bedingungen des Einzelvertragssystems „in hohem Maß die erforderliche Kontinuität und Verlässlichkeit in der Therapeuten-Patienten-Beziehung gefährden“. Wechselt der Patient beispielsweise die Krankenkasse, ist nicht gewährleistet, dass sein Psychotherapeut einen Vertrag mit der neuen Kasse hat – bei den oft langjährigen Therapien ein durchaus tragfähiges Argument. Noch ist das Gesundheitssystemmodernisierungs-gesetz nicht verabschiedet. Vielleicht wird auch diesmal den Bedenken der Sachverständigen Rechnung getragen. Petra Bühring
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