ArchivDeutsches Ärzteblatt45/1996Honorarreform: Unverständlich

SPEKTRUM: Leserbriefe

Honorarreform: Unverständlich

Mellios, H.

Zu dem Beitrag "Die Mehrheit stimmte für die Praxisbudgets" von Josef Maus in Heft 38/1996
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LNSLNS . . . Als seit 20 Jahren niedergelassener Arzt kann ich nach der "Budgetierung" nicht verstehen, wie ein solches Abrechnungssystem moralisch und gerecht funktionieren kann. Wie kann es möglich sein, daß von den gesetzlichen Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen weiterhin aus dem "gedeckelten Topf" jede ärztliche Leistung, auch wenn sie medizinisch ineffektiv ist und sogar hohe Kosten verursacht, zum Beispiel unnötige Untersuchungen, Gespräche, Besuche, Behandlungen, Medikamente, Heilmittel, Kuren und Krankschreibungen, honoriert wird und dabei noch genügend Geld für eine gute und sparsame Medizin übrigbleibt? Verdient eine solche Medizin keine Beachtung und Anerkennung?
Der Bundes­ärzte­kammer kann so etwas auch aus ethischen Gründen nicht gleichgültig sein. Ich bin der Meinung, daß Medizin keine Ware ist, die wir Ärzte nach der Menge verkaufen und für die wir uns von den Kassenärztlichen Vereinigungen entsprechende Honorare verteilen lassen. Kann in der Medizin weniger nicht auch mehr sein?
Es ist höchste Zeit in einem freiheitlichen Gesellschaftssystem, daß der Kassenpatient mehr Transparenz und Verantwortung in diesem System bekommt. Nur dann kann er, als direkt Betroffener, die Kosten und die Qualität unserer Arbeit beurteilen wie ein Privatpatient. Bei einer weiteren Reformierung der gesetzlichen Krankenkassen darf die deutsche Ärzteschaft nicht zulassen, daß der "Kassenpatient" für unsere Abrechnungszwecke auch noch zu einer "Fallpauschale" wird. Meiner Meinung nach wäre das dann Sozialismus pur à la ehemaliger DDR, und die deutsche Gesellschaft wird hoffentlich politisch einen solchen Rückschritt im Gesundheitswesen zu verhindern wissen.
Dr. med. Nikos H. Mellios, Gartenstraße 26, 72074 Tübingen
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