ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2003Epidemiologie und Gesundheitsforschung: Wohlbefinden ab fünfzig

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Epidemiologie und Gesundheitsforschung: Wohlbefinden ab fünfzig

PP 2, Ausgabe Juli 2003, Seite 307

Lenze, Susanne

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LNSLNS Kohortenstudie zur Frauengesundheit mit 20 000 Frauen
im Alter zwischen 18 und 65 Jahren

Je älter die Frauen werden, desto besser fühlen sie sich psychisch“, sagte Dr. phil. Beate Schultz-Zehden. Das hat die Psychologin in einer Studie über Frauengesundheit herausgefunden. Sie arbeitet am Zentrum für Human- und Gesundheitswissenschaften der Freien Universität und der Humboldt-Universität in Berlin.
Die Untersuchung ist Teil einer groß angelegten Kohortenstudie mit
20 000 Frauen im Zeitraum von 1998 bis zunächst 2003. In den ersten drei Jahren wurde die Studie durch die Schering AG finanziert. Die Zwischenergebnisse der Studie wurden Mitte Mai in Berlin vorgestellt. Die Befragung soll bis zum Jahr 2008 fortgeführt werden, vorausgesetzt, sie werde weiterhin finanziell unterstützt, sagte Dr. med. Michael Lewis, Direktor der Epidemiology, Pharmacoepidemiology and Systems Research GmbH, in Berlin. „Wir interessierten uns für die Gesundheit und Krankheit, Befindlichkeit und Lebensqualität der Frauen“, sagte der Leiter der Studie, Prof. Dr. med. Lothar Heinemann vom Zentrum für Epidemiologie und Gesundheitsforschung in Berlin. Die Frauen werden unter anderem in Fragebögen zu Menopause, Regelblutung und Verhütung befragt.
Junge Frauen sind gestresster
Eine repräsentative Stichprobe von 1716 Frauen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren war die Grundlage für die Auswertung, mit der Schultz-Zehden die sexuellen Befindlichkeiten der Frauen herausfinden wollte. Woran liegt es, dass Frauen ab 50 Jahren mit dem Altern besser klarkommen als erwartet? Das Resultat hat Schultz-Zehden überrascht. „Dass sich ältere Frauen wohler fühlen, liegt auch an den erhöhten Erwartungen an die jüngere Generation, junge Frauen müssen Familie und Job gleichermaßen gut organisieren“, befand die Psychologin. Die Zahl der allein erziehenden Mütter steige. Für Schultz-Zehden sind Frauen dank der Emanzipation und Frauenbewegung selbstbewusster und aktiver geworden. Sie könnten sich selbst behaupten und tolerierten nicht mehr jede partnerschaftliche oder familiäre Situation, die vom Partner vorgegeben werde. Die Einstellung zum Körper habe sich auch geändert. „Viele 50-Jährige beginnen erst in diesem Alter, Sport zu treiben“, sagte Schultz-Zehden.
Nach den Ergebnissen der Studie nimmt die Bedeutung des Sex mit zunehmendem Alter ab. Den Ergebnissen zufolge empfindet die jüngere Generation Sex häufig als Ausgleich für berufliche oder familiäre Anstrengungen. Junge Frauen seien aktiver als ältere Frauen. Den älteren Geschlechtsgenossinnen geht es weniger um die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs als beispielsweise um Zärtlichkeit, so interpretiert sie die Daten.
Die Auswirkungen der Pille auf die Gesundheit war ein Schwerpunkt der Langzeitstudie. Aus den Studienergebnissen mit den 20 000 Frauen und nach Vergleichen mit früheren WHO-Studien zum Thema „Orale Verhütung“ folgerte Dr. med. Michael Lewis: „Orale Verhütungsmittel bieten sogar gewisse gesundheitliche Vorteile.“ „Das Risiko für einen Tumor der Gebärmutter oder der Eierstöcke ist um die Hälfte, das für einen Brustkrebs um 40 Prozent geringer“, behauptete er. Die ebenfalls bekannten Risiken der Pille, wie die Venenthrombose, will Lewis beachtet wissen. Die Gefahr, an Thrombose zu erkranken, sei bei der Einnahme der Pille etwa drei- bis viermal größer als ohne Pille, betonte er. Susanne Lenze
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