ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2003Gewerbesteuerpflicht: Ärzte sind mit betroffen

SEITE EINS

Gewerbesteuerpflicht: Ärzte sind mit betroffen

Dtsch Arztebl 2003; 100(28-29): A-1897

Gerst, Thomas

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen.“ Von den Segnungen der Einkommensteuerreform werden viele niedergelassene Ärzte wenig oder gar nichts zu spüren bekommen. Geht es nach dem Willen der rot-grünen Bundesregierung, sollen sie – wie alle Angehörigen der Freien Berufe – im Zuge der Gemeindefinanzreform zur Zahlung der Gewerbesteuer herangezogen werden. Nachdem sich eine von der Regierung eingesetzte Reformkommission aus Vertretern der kommunalen Spitzenverbände und der Wirtschaft, aber ohne Beteiligung des Bundesverbandes der Freien Berufe, auf keinen einheitlichen Vorschlag verständigen konnte, wollen nun Bundesfinanzminister Hans Eichel und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement mit einem eigenen Gesetzentwurf für die rasche Neuordnung der Gemeindefinanzen sorgen.
Vor allem gut gehende Arztpraxen in Ballungsgebieten, wo höhere Gewerbesteuerhebesätze die Regel sind, werden mit Mehrbelastungen zu rechnen haben. Bei kommunalen Hebesätzen bis zu 350 Prozent wird es dagegen nach Verrechnung mit der zu zahlenden Einkommensteuer nur zu geringfügigen Mehrbelastungen nach Einführung der neuen kommunalen Wirtschaftsteuer kommen. Ob sich allerdings der Steuerberater bei dem komplizierteren Berechnungsverfahren mit den bisherigen Gebühren zufrieden geben wird, ist durchaus zweifelhaft.
Wirklich kritisch würde es für viele niedergelassene Ärzte in den Großstädten, wenn – wie derzeit in der Diskussion – in die Bemessungsgrundlage für die neue Wirtschaftsteuer auch Kosten, wie Mieten, Schuldzinsen oder Leasingraten, einfließen. Nach derzeit geltendem Steuerrecht haben Freiberufler bei dieser Form der Substanzbesteuerung wesentlich höhere Steuerbelastungen zu erwarten.
Zu einem Zeitpunkt, wo die ökonomischen Rahmenbedingungen für Ärzte, die sich in eigener Praxis niederlassen wollen, ohnehin alles andere als rosig sind, wäre eine solche zusätzliche Besteuerung sicher das falsche Signal. Investitionen in aufwendige Medizintechnik würden dann immer weniger erfolgen. Einer Politik, die ohnehin für die Zukunft auf die fachärztliche Versorgung in Gesundheitszentren setzt, wird dies allerdings egal sein. Thomas Gerst
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema