ArchivDeutsches Ärzteblatt45/1996Arztroman: Streit um Dr. Bruckner

SPEKTRUM: Bücher

Arztroman: Streit um Dr. Bruckner

Dtsch Arztebl 1996; 93(45): A-2904 / B-2467 / C-2311

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS "Man kann aus der Bibel ja auch keinen Pornofilm machen", empörte sich der Kölner Arzt und Autor Dr. Willy J. E. Schneidrzik. Grund dieser Entrüstung ist die Verfilmung seiner Dr.-Bruckner-Romane, die ab 14. November unter dem Titel "OP ruft Dr. Bruckner – Die besten Ärzte Deutschlands" bei RTL ausgestrahlt wird.
"Was RTL aus meiner Serie gemacht hat, hat mich erschüttert", beklagte sich Schneidrzik gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Das einzige, was von der Romanvorlage übrigbleibe, sei der wohl einschaltenquotenerhöhende Name Dr. Thomas Bruckner. "Sonst erinnert nichts an die 239 Romane der Serie."
Eine Passage des Pilotfilms hat Schneidrzik besonders verärgert. Dort heißt es: "Nachdem der Arzt das ,Wolfskind' untersucht hat, wird eine halbe Hockeymannschaft mit einer Dauererektion eingeliefert." Dazu der Romanautor: "Der Priapismus anderer stört mich nicht, wenn er nicht mit meinem Namen – der ja mit Dr. Bruckner identisch ist – verknüpft ist." Schneidrzik räumt zwar ein, "einige tausend Mark" erhalten zu haben, einen Vertrag habe er jedoch nicht unterschrieben. Außerdem habe er sowohl RTL-Geschäftsführer Dr. Helmut Thoma als auch die Filmgesellschaft schriftlich gebeten, den "aufklärenden Charakter der Bruckner-Romane zu wahren und neben Herz und Schmerz auch etwas Geist einzusetzen".
Im Pressematerial von RTL taucht der Name des Romanautors überhaupt nicht auf. Genannt werden lediglich die Drehbuchautoren Lienhard Waurzyn und Hans-Henning Borgelt. Sie hätten eine Serie konzipiert, die durch ihre außergewöhnlichen medizinischen Fälle und ihre Dynamik sich auch an Zuschauer richte, die keine typischen Arzt-Serien-Seher seien. Die Produktion werde von fünf medizinischen Fachberatern unterstützt, heißt es außerdem. Es wird sogar ein Arzt zitiert, der der Serie Authentizität bescheinigt: "Ich finde, das Team und die Autoren haben sich sehr bemüht, wie Mediziner zu denken. Der Krankenhausbetrieb ist genauso wild und turbulent wie in Wirklichkeit."
Auf die Vorwürfe von Schneidzrik mochte RTL nicht eingehen. Bei "Dr. Stefan Frank – Der Arzt, dem die Frauen vertrauen" habe man schließlich auch nur den Namen übernommen und ansonsten neue Drehbücher geschrieben, sagte eine Pressesprecherin. Schneidrzik jedenfalls hat rechtliche Schritte eingeleitet und sich an den Deutschen Journalisten-Verband gewandt. Dessen Geschäftsführer Karl-Josef Döhring teilte dem Kölner Arzt mit, daß er "die Angelegenheit als aussichtsreich ansieht", da die Verwendung des Roman-Namens eng mit Schneidrziks Person verbunden sei. Kli
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